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News vom 04.08.2006

Besuch beim Psychiater muss keinem peinlich sein

Menschen, die einen Psychiater aufsuchen, brauchen sich keinesfalls zu schämen. Psychiater und Psychotherapeuten sind Fachärzte für Gehirn und Psyche, so wie der Kardiologe der Experte für Herz und Kreislauf und der Orthopäde es für den Bewegungsapparat ist. „Doch leider ist der Gang zum Psychiater auch heute noch vielfach mit Vorurteilen und Ängsten verbunden. Dies liegt daran, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft oft nicht akzeptiert werden. Entweder werden sie als verrückt abgestempelt oder nicht für voll genommen“, kritisiert Dr. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP). „Dies hält einige Betroffene davon ab, professionelle Hilfe aufzusuchen - ihr Leidensweg verlängert sich. Psychisch kranke Menschen brauchen eine Behandlung, ihre Beschwerden sind keine Einbildung. Häufig sind bei ihnen bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn gestört und falsche Verhaltensmuster eingeprägt, die therapeutisch in den Griff zu bekommen sind – je früher desto besser“, erklärt die Psychiaterin und Psychotherapeutin aus Andernach. Menschen mit anhaltender Freudlosigkeit, Ängsten oder Wahrnehmungsstörungen sollten sich daher zu ihrem eigenen Wohle nicht scheuen, zum Psychiater zu gehen.

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Zur Behandlung psychischer Erkrankungen wird neben Medikamenten vor allem die Psychotherapie mit großem Erfolg angewandt. Doch auch hier kursieren viele falsche Vorstellungen. „Die „Couch-Analyse“, wie wir sie aus Hollywood-Filmen kennen, entspricht nicht mehr der Realität. Heute arbeiten der Patient und Therapeut auf gleicher Gesprächsebene zusammen, sitzen sich z.B. in Sesseln gegenüber“ erklärt Dr. Roth-Sackenheim.

Nach einer großen Untersuchung erkranken jährlich rund 83 Millionen EU-Bürger, d.h. 27%, an einer oder mehreren psychischen Störungen. Hiervon erhielt nur jeder vierte Patient eine Therapie. Und noch weniger Betroffene wurden auch richtig behandelt. „Solch eine niedrige Behandlungsrate konnte bislang in keinem Bereich der Medizin beobachtet werden – es ist höchste Zeit, Vorurteile abzubauen und den Betroffenen die Chance, auf eine effektive Therapie beim Psychiater und Psychotherapeuten zu geben“, betont Dr. Roth-Sackenheim.

Quelle: Psychiater im Netz

(CI) 04.08.2006

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