Krankheiten
Bandwürmer
Meistens fängt man sich diese Parasiten ein, in dem man sie nichtsahnend mitisst. Ihre Eier oder Larven tummeln sich vor allem in Fleisch und Fisch, aber auch auf Obst, Gemüse und im Salat. Und hat man sie erst einmal heruntergeschluckt, wird man die ungebetenen Gäste nicht mehr so schnell los. Denn diese Schmarotzer suchen sich neben diversen Tieren auch gerne mal den Menschen als Zwischen- oder Endwirt aus. Ist dies der Fall, machen sie es sich in unserem Darm gemütlich.
Zugegeben: Die Vorstellung ist ziemlich unangenehm - zumal die unliebsamen Mitbewohner aus mehreren tausend Gliedern bestehen und bis zu 15 Meter lang werden können. Dennoch: Die meisten Arten sind harmlos - vor allem, wenn man sie entdeckt und behandelt. Aber wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel: So können der Schweine-, Hunde- und Fuchsbandwurm dem Menschen richtig gefährlich werden.
Symptome
Gefährlich sind die meisten Bandwurmerkrankungen nicht. Vor allem, wenn sie erkannt und behandelt werden. Auch verursachen sie meist keine oder allenfalls leichte Beschwerden. So kommt es manchmal zu Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust und Juckreiz am After. Und: Man kann im Stuhl mit bloßem Auge weißliche Fäden erkennen. Denn die Eier werden mit den Bandwurmgliedern ausgeschieden.
Allerdings kommt es auf die Art des Bandwurms an. Wenn sich der Schweinebandwurm im Menschen als Zwischenwirt einnistet, kann es zur Zystizerkose kommen. Diese ernste Erkrankung führt unbehandelt zu schweren neurologischen Symptomen. Bei einem Befall durch Hundebandwürmer hängen die Beschwerden davon ab, welche Organe betroffen sind.
Ist die Lunge befallen, kann sich dies durch Reizhusten äußern. Die Infektion der Leber macht sich zunächst in Oberbauchbeschwerden bemerkbar, im späteren Stadium dann als Gelbsucht.
Die heftigsten Beschwerden lösen Fuchsbandwürmer aus. Denn hier siedeln sich die Larven in der Leber an. Die Betroffenen berichten über Völlegefühl und Druck im Oberbauch. Im weiteren Verlauf kann sich die Haut gelb verfärben und die völlige Zersetzung der Leber droht. Allerdings verläuft dieser Befall lange Zeit unbemerkt. Zwischen Infektion und Erkrankung können bis zu 15 Jahre liegen.
Ursachen
Die Ansteckung erfolgt über die Eier oder Larven der Bandwürmer. Diese gelangen oral, also mit dem Essen, in unseren Körper. Besonders hoch ist das Risiko beim Verzehr von rohem oder halbrohem Fleisch oder Fisch. Auch bei Obst, Salat oder rohem Gemüse, das mit Fäkalien gedüngt wurde, droht unter Umständen eine Infizierung.
Weitere Gefahrenquellen sind ungewaschene Pilze oder Waldbeeren, die in Bodennähe wachsen. Außerdem kann man sich die Parasiten beim Besuch einer unsauberen Toilette einfangen. Kinder infizieren sich häufig durch den Kontakt mit befallenen Spielkameraden. Wer infizierte Hunde oder Katzen berührt, kann sich die Würmer ebenfalls zuziehen. Dabei fungiert der Mensch mal als Zwischen-, mal als Endwirt.
Verallgemeinert sieht der Lebenszyklus dieser Schmarotzer - von Ei zu Ei - folgendermaßen aus: Wurden Bandwürmer von einem Tier oder Menschen verschluckt, wird dieses Lebewesen zum Zwischenwirt. Im seinem Darm schlüpfen aus den Eiern Larven. Diese durchbohren daraufhin die Darmwand, verteilen sich über den Blutkreislauf im Körper und setzen sich dann beispielsweise in der Muskulatur fest. Wird dieses Fleisch nun gegessen, gelangen die Larven in den Darm ihres Endwirtes. Dort bilden sie Eier, die wieder ausgeschieden und von einem anderen Wirt aufgenommen werden - so beginnt der Kreislauf aufs Neue.
Allerdings ist Wurm nicht gleich Wurm. So haben manche zum Beispiel nur einen, andere gleich mehrere Zwischenwirte. Besonders bekannt sind Rinder-, Schweine-, Fisch-, Fuchs- und Zwergbandwurm. Der Name richtet sich meist nach ihrem jeweiligen Endwirt.
Am häufigsten ist der Rinderbandwurm. Er kommt vor allem in Zentral- und Ostafrika vor. Bis zu 60 Millionen Menschen sollen mit ihm infiziert sein. Dieser Wurm kann zwischen vier und zehn Meter lang und bis zu 20 Jahre alt werden. Er wird von verunreinigtem Rinderfleisch auf den Menschen übertragen, ist aber an sich recht harmlos.
Der Schweinebandwurm kann bis zu vier Metern lang und bis zu 25 Jahre alt werden. Er kommt in erster Linie in Mittel- und Südamerika, sowie in Afrika, China, Indien und Südostasien vor. Weltweit sollen sechs Millionen Menschen von ihm befallen sein. Normalerweise gelangt er über den Verzehr von Schweinefleisch in den Darm des Menschen. Bleibt es dabei, wird dieser Wurm dem Menschen ebenfalls nicht gefährlich. Wenn man sich über die eigene Ausscheidung selbst mit dem Schweinebandwurm-Eiern infiziert und somit zum Zwischenwirt ist, sieht das jedoch anders aus: In diesem Fall droht eine Zystizerkose. Bei dieser schwerwiegenden Folgeerkrankung können Herz, Muskulatur, Nervensystem, Auge oder Haut von den Parasiten geschädigt werden.
Der Fischbandwurm wiederum ist der größte Vertreter der Art. Er kann bis zu 12 Meter lang und zehn Jahre alt werden. Man findet ihn hauptsächlich in Skandinavien, Italien sowie in Asien und Amerika. Dieser Parasitentyp nutzt gleich mehrere Zwischenwirte. Gelangen seine Eier ins Wasser, entwickeln sie sich dort zu Larven, die sich dann in Kleinkrebsen ausbreiten. Diese Krebse werden von Fischen gefressen, die dann wiederum von Menschen verspeist werden. Auch eine Infektion mit diesem Bandwurm verursacht in der Regel nur selten Beschwerden.
Der Zwergbandwurm ist, wie sein Name schon andeutet, ein Winzling. Er erreicht eine maximale Länge von vier Zentimetern. Zu seinen Zwischenwirten zählen Flöhe und Käfer, manchmal aber auch der Mensch. Doch eigentlich ist der Homo Sapiens sein Endwirt. Der Zwergbandwurm ist vor allem in wärmeren Ländern zu finden, wo er sich bereits stark ausgebreitet hat. Man schätzt, dass weltweit über 70 Millionen Menschen, vor allem Kinder, Zwergbandwürmer mit sich herumtragen, vor allem Kinder. In den meisten Fällen bleibt der Befall unbemerkt.
Noch kleiner, aber viel gefährlicher ist der Fuchsbandwurm. Er ist unter anderem in Südwestdeutschland verbreitet. Dieser Miniparasit wird nur bis drei Millimeter lang und normalerweise von Füchsen auf Mäuse übertragen. Manchmal gelangt er jedoch auch in den Menschen. Man geht davon aus, dass dies in den meisten Fällen ohne Folgen bleibt, da wir als Zwischenwirt ungeeignet sind.
In seltenen Fällen macht sich dieser Wurm jedoch trotzdem im Menschen breit. Dann vermehren sich seine Larven im Körper, wobei sie sich in lebenswichtigen Organen, wie der Leber, festsetzen. Daraufhin beginnt das betroffene Gewebe zu wuchern, was zu massiven Organschädigungen führt. Der Name dieser tückischen, kaum heilbaren Erkrankung ist Echinokokkose. Ohne Behandlung führt sie zum Tode.
Ein naher Verwandter des Fuchsbandwurms ist der Hundebandwurm, der weltweit verbreitet ist. Seine Eier werden von infizierten Hunden, Wölfen, Raub- und sogar Hauskatzen ausgeschieden. Ein Befall mit diesem Typus verläuft für den Menschen ähnlich wie beim Fuchsbandwurm, ist aber nicht ganz so gefährlich. Hierbei kommt es in den Organen (meist sind Lunge und Leber betroffen) zur Bildung von Zysten, in denen sich der Parasit vermehrt. Diese können so groß wie ein Kinderkopf werden. Da sie jedoch gutartig sind, lassen sie sich - im Vergleich zum Fuchsbandwurm - relativ einfach operativ entfernen.
Diagnose
Zur Diagnose wird eine Stuhlprobe unter dem Mikroskop untersucht. Auf diese Weise kann man auch feststellen, um welchen Parasitentyp es sich handelt. Je nach Art des Bandwurms können auch Röntgenuntersuchungen sowie Ultraschall, Computertomographie oder Kernspintomographie zum Einsatz kommen.
Behandlung
Wer im Stuhl weiße Wurmglieder entdeckt, sollte den Arzt aufsuchen. Je nach Parasitentyp werden nun dementsprechende Mittel verabreicht. Bei einigen Parasitentypen wird gegebenenfalls eine Operation notwendig.
Hinweis: Bei Befall sollten sich alle restlichen Familienangehörige auf Würmer untersuchen lassen.
Infizierte Menschen müssen darüber hinaus nun mit der Hygiene besonders gründlich umgehen. Kochen Sie benutzte Unterwäsche, Nachtwäsche und Handtücher stets aus. Außerdem sollte man sich nach jedem Besuch der Toilette die Hände sorgfältig waschen und die Nägel zusätzlich mit einer Nagelbürste säubern. Durch diese Vorsichtsmaßnahmen schützen Sie nicht nur andere, sondern auch sich selbst. Denn gegen Würmer wird man nie immun. Man kann sich immer wieder mit ihnen anstecken. Auch Personen, die sich in der Nähe eines Infizierten aufhalten, sollten jetzt die Hygiene sehr wichtig nehmen.
Alternative Heilmethoden
Die sicherste Methode, um die Bandwürmer loszuwerden, sind leider chemische Entwurmungsmittel.
Vorbeugung
In Deutschland ist die Gefahr, sich einen Bandwurm einzufangen, relativ gering. Denn bei uns werden Fleischwaren vor dem Verkauf auf Würmer untersucht. Wer sich hierzulande trotzdem schützen will oder eine Fernreise in exotische Länder unternehmen möchte, für den heißt die oberste Regel: Iss nur das, was vorher erhitzt wurde. Denn extreme Hitze tötet die Würmer.
Vorsicht gilt vor allem bei Fleisch- und Fischgerichten. Salate, Obst und Gemüse, die mit Fäkalien gedüngt wurden, sollten ebenfalls nicht roh verspeist oder zumindest gründlich gewaschen werden. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, sich nach dem Besuch der Toiletten stets die Hände sorgfältig zu waschen. Halten Sie auch Ihre Kinder an, sich nach dem Spielen draußen immer die Hände zu waschen.
Wer Hunde oder Katzen als Haustiere hat, sollte sie nicht mit rohem Fleisch füttern, ihren Kot in regelmäßigen Abständen auf Wurmbefall prüfen lassen und gegebenenfalls eine Entwurmungskur durchführen. Auch den eigenen Stuhl sollte man hin und wieder in Augenschein nehmen.
Die Schutzmaßnahmen gegen den Fuchsbandwurm lauten: Pilze und Beeren aus dem Wald, die auf dem Boden wachsen oder tief hängen, müssen vor dem Verzehr sorgfältig gewaschen werden. In Gebieten, in denen dieser Parasitentyp weit verbreitet ist, gilt das auch für Plantagenfrüchte, Obst von Streuobstwiesen oder Gartengemüse. Waschen Sie darüber hinaus ihre Hände auch nach Freiland-Arbeiten und vor dem Essen gründlich. Tipp: Zusätzlichen Schutz bietet das Tiefkühlfach: Würmer, die mindestens 24 Stunden lang eingefroren, überleben nicht.
(CI) 13.02.2005

