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Krankheiten

Polio (Kinderlähmung)

Noch im letzten Jahrhundert verdammte die Krankheit viele Menschen zu einem Leben an Krücken oder im Rollstuhl, wie den amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Oder zum Tod: Allein in Deutschland starben früher jedes Jahr Hunderte an den Folgen der Virusinfektion. Seit die Bevölkerung hierzulande jedoch unter dem Slogan "Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam" flächendeckend geimpft wurde, gilt das Leiden bei uns so gut wie ausgerottet.

Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt: In Afrika oder Asien wütet Polio immer noch. Deswegen kann man sich bei Reisen in Dritt-Welt-Länder anstecken und das Virus quasi als Souvenir mit zurück ins Heimatland schleppen. Aus diesem Grund ist die Impfung nach wie vor wichtig.

Symptome

Symptome

Der Name "Kinderlähmung" ist etwas irreführend. Zwar erkranken in erster Linie Kinder unter fünf Jahren, aber auch Erwachsene können Polio bekommen. Was viele nicht wissen: Das Leiden verläuft meist harmlos. Neun von zehn Patienten merken überhaupt nichts von der Infektion, bei anderen kommt es lediglich zu einem vorübergehenden Durchfall.

Bei einigen Betroffenen treten jedoch ein bis zwei Wochen, manchmal auch erst nach einen Monat, grippeähnliche Beschwerden auf. Dazu zählen Hals- Kopf und Gliederschmerzen, Schnupfen, Bronchitis, erhöhte Temperatur und Abgeschlagenheit. Dieser Ausbruch wird ebenfalls oft von Durchfällen begleitet. Nach zwei Tagen ist die Krankheit überstanden - und zwar meist für immer. In seltenen Fällen kehren die Symptome aber zwei bis drei Tage später zurück. Neben starken Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall, kommt es dabei typischerweise zu Nackensteifigkeit, Berührungsempfindlichkeit, Erbrechen und Muskelschwäche.

Bei jedem 100. Betroffenen zeigen sich wiederum zwei Tage später Lähmungen, die in erster Linie die Beine, manchmal aber auch die Arme betreffen. Grund: Nun haben die Viren das Rückenmark befallen. Im schlimmsten Fall kann sogar Atemstillstand eintreten. Die Chance, dass die Lähmungserscheinungen wieder verschwinden, beträgt 50 Prozent. Bei den restlichen Patienten bleiben Beeinträchtigungen zurück. Die Palette reicht von leichten bis hin zu schweren Behinderungen.

Außerdem treten bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Jahrzehnte später neue Symptome auf. Dazu zählen Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen, Atemnot, Müdigkeit, Frieren und Lähmungen. Dieses Krankheitsbild nennt sich Post-Polio-Syndrom (PPS). Es wird häufig von den Ärzten nicht erkannt.

Ursachen

Polio wird von Poliomyelitis-Viren der Typen I, II und III verursacht. Die hoch ansteckenden Erreger stecken meist im Kot. Sie gelangen durch Schmierinfektion, aber auch durch über Tröpfcheninfektion und infizierte Lebensmittel über den Mund in den Körper. Hauptrisikofaktor ist mangelhafte Hygiene. Bei mildem Verlauf richten die Viren keinen großen Schaden im Körper an. Bei schweren Krankheitsentwicklungen befallen sie jedoch das Rückenmark. Dann werden die Nervenfasern, die für Bewegungsabläufe zuständig sind, geschädigt oder zerstört.

Diagnose

Das Virus selbst kann im Stuhl oder in der Rückenmarksflüssigkeit (Liqour) festgestellt werden. Der Liquor wird durch eine Lumbalpunktion entnommen. Auch eine Blutprobe gibt Aufschluss über eine Polio-Erkrankung, da sich im Falle einer Infektion Antikörper gebildet haben.

Behandlung

Eine Therapie existiert nicht. Man kann nur das Immunsystem durch die Verabreichung von Immunglobulinen stärken. Ansonsten beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome. So lagert man Patienten bei heftigen Verläufen auf bestimmte Weise, um Druckstellen zu vermeiden. In ganz schweren Fällen kommt künstliche Beatmung zum Einsatz. Sobald es möglich ist, sollte mit Bewegungs- und Logotherapie begonnen werden. Auch Ergotherapie ist für die Nachsorge geeignet.

Alternative Heilmethoden

Sanfte Verfahren können ebenfalls nur die Beschwerden lindern. Schmerz dämpfend wirken beispielsweise Wärmeanwendungen mit Fango und Bäder, aber auch Akupunktur. Außerdem empfehlenswert: Entspannungsmethoden wie Biofeedback.

Vorbeugung

Die früher übliche Schluckimpfung wird für die erste Impfung nicht mehr eingesetzt. Denn sie enthält lebende, abgeschwächte Viren, was in sehr seltenen Fällen die Erkrankung auslösen kann. Als Ersatz dient heute eine Injektion mit abgetöteten Viren. Die Polio-Prophylaxe kann gleichzeitig mit anderen Impfungen verabreicht werden.

Ab dem dritten Lebensmonat werden Kombinationsimpfstoffe verabreicht, die neben Polio gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Haemophilus inflenzae Typ b (Hib) schützen. Im Alter von 9 bis17 Jahren sollte eine zweite Impfung erfolgen, die jedoch wieder geschluckt werden darf. Erwachsene müssen den Impfschutz gegebenenfalls bei Reisen in Risikoländer auffrischen lassen.

(CI) 15.12.2005

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