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Borreliose (Lyme-Krankheit, Lyme-Borreliose)

Zwischen März und Oktober haben Zecken bei uns Hochsaison. Dann lauern die Mini-Vampire auf Sträuchern, Gräsern und Büschen auf ihre ahnungslose Beute. Dazu gehört auch der Mensch. Der Biss einer Zecke ist im Prinzip harmlos - so lange das Tier keine Krankheitserreger in sich trägt. Doch genau das ist das Problem.

Man vermutet, dass in Europa etwa jede fünfte Zecke Überträger der Infektionskrankheit Borreliose ist. Nach Schätzungen gibt es allein in Deutschland jährlich etwa 100 000 Neuerkrankungen. Die Krankheit ist nicht regional gebunden. Eine Infizierung ist in Hamburg genauso gut möglich wie in München. Im Gegensatz zur FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis), die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung tritt vorwiegend im süddeutschen Raum auf.

Eine unbehandelte Borreliose kann in drei Stadien verlaufen und zu Lähmungen sowie chronischen Gelenkentzündungen führen. Eine Impfung wie bei der FSME gibt es derzeit noch nicht.

Symptome

Die meisten Symptome einer Borreliose sind nicht eindeutig und können leicht mit einer Erkältung verwechselt werden. Einige Patienten bilden trotz Infektion keine Beschwerden aus. Es gibt keine Borrelien-Immunität. Das heißt, man kann sich immer wieder neu mit dem Erreger infizieren.
Wird die Erkrankung nicht erkannt und behandelt, kann sie in drei Stadien verlaufen:

Stadium 1:

Ein paar Tage oder Wochen nach dem Stich, kann sich um die Bissstelle eine kreisförmige Rötung bilden. Diese sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) breitet sich langsam aus und kann handtellergroß werden. Die Rötung ist schmerzlos und verschwindet nach einiger Zeit wieder. Die Erythema migrans ist das einzige charakteristische Symptom der Borreliose. Der Haken: Nur etwa 30 bis 40% aller Infizierten bilden eine Wanderröte aus.
Im ersten Stadium können noch weitere Beschwerden auftreten, dazu gehören auch Abgeschlagenheit, Fieber, geschwollene Lymphknoten, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen.

Stadium 2:

Wochen oder Monate nach der Infektion wandert der Erreger über die Lymphbahnen weiter. Dabei verursacht er häufig starke Schmerzen in Gelenken (Gelenkentzündungen) und Nerven. Gleichzeitig kann es zu Lähmungserscheinungen kommen, die sich unter Umständen nicht mehr zurückbilden. Seltener sind Schäden an Herz oder Augen.

Stadium 3:

Dieses Stadium (Spätmanifestation) tritt Monate oder sogar erst Jahre nach dem Zeckenbiss ein. Der Patient kann in dieser Phase unter schmerzhaften, chronischen Gelenkentzündungen leiden. Diese halten ein paar Wochen an, verschwinden wieder, um nach einiger Zeit zurückzukehren. Zusätzlich sind Hautveränderungen möglich, dazu zählt z. B. eine Blaufärbung von Hautpartien oder Schwellungen an Händen und Füßen. Einige Betroffene leiden zudem unter Muskel- und Knochenschmerzen.

Ursachen

Auslöser der Borreliose ist das Bakterium "Borrelia burgdorferi" (Borrelien), benannt nach ihrem Entdecker Dr. Willy Burgdorfer. Die spiralförmigen Bakterien werden von einem winzigen Spinnentier, der Zecke, übertragen. In Europa ist dabei der "gemeine Holzbock" (Ixodes ricinus) die Hauptinfektionsquelle. Zecken ernähren sich von Warmblütern. Dazu gehört auch der Mensch. Wird er von diesem kleinen Blutsauger gebissen, merkt er es meist gar nicht. Denn die Zecke gibt beim Stich eine Substanz ab, die blutgerinnend und schmerzlindernd wirkt.

Die Bakterien befinden sich bei der Zecke nicht im Speichel, wie es z. B. beim FSME-Erreger der Fall ist, sondern im Mitteldarm. Die Borrelien werden vermutlich am Ende des Stichaktes ausgewürgt und gelangen erst dann in den tierischen oder menschlichen Wirt. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit nach einem Zeckenbiss liegt bei etwa zwei bis vier Prozent. Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko.

Übrigens: Borreliose wird auch als Lyme-Krankheit oder Lyme-Borreliose bezeichnet. Der Ursprung dieses Namens liegt in dem amerikanischen Örtchen Lyme, im Bundesstaat Connecticut. In den 60er Jahren wurden dort auffallend viele Gelenkerkrankungen registriert. Damals wusste man aber noch nichts über den Zusammenhang zwischen Zeckenbissen und möglichen Folgeerkrankungen.

Diagnose

Tritt keine erkennbare Wanderröte auf, wird die Diagnose schwierig. Wichtig ist, dass der Patient den Arzt über einen Zeckenbiss informiert. Dann können entsprechende Blutuntersuchungen eingeleitet werden. Borreliose-Antikörper lassen sich etwa 14 Tage nach einer Infektion im Blut nachweisen. Doch nicht alle Betroffene bilden Antikörper aus. Dann müssen weitere Untersuchungen (z. B. ein Immunoblot-Test) durchgeführt werden, um dem Erreger auf die Spur zu kommen.

Behandlung

Im Anfangsstadium lässt sich die Borreliose gut mit Antibiotika behandeln. Die Tabletten müssen konsequent über einen längeren Zeitraum (etwa zwei bis drei Wochen) eingenommen werden. Nur so kann man sicher sein, dass alle Borrelien abgetötet wurden. Die Behandlung sollte vom Arzt regelmäßig kontrolliert werden, da sich Erfolge oft erst nach Wochen oder Monaten einstellen. Im fortgeschrittenen Stadium muss das Antibiotikum per Infusion verabreicht werden.

Zusätzlich können Mittel verordnet werden, um akute Beschwerden (z. B. Gelenkschmerzen) zu lindern.

Alternative Heilmethoden

Therapiebegleitend können alternative Verfahren eingesetzt werden. Diese sorgen vor allem für eine Linderung der (chronischen) Gelenk- und Muskelschmerzen. Dazu gehören Homöopathie, Phytotherapie (z. B. Sonnenhut), Kneiptherapie (Wasserbehandlungen) und Heilmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (z. B. Akupunktur).

Vorbeugung

Wer sich von März bis Oktober ins Freie begibt, bietet sich als potentielle "Zeckenmahlzeit" an. Damit einher geht natürlich auch ein gewisses Infektionsrisiko. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen Borreliose.

Worauf Sie beim Ausflug ins Grüne achten sollten:

  • Zecken sitzen in Sträuchern, Büschen, Gräsern und im Unterholz. Sie lassen sich nicht von Bäumen fallen. Die beste Vorbeugung ist eine körperbedeckende Kleidung. Schützen Sie vor allem die Beine. Lange Hosen und Socken sowie geschlossene Schuhe erschweren den Zecken den Zugang.
  • Mittlerweile sind einige Antizeckenmittel auf dem Markt. Allerdings hält die Wirkung meist nur wenige Stunden an. Vorsicht: Nicht alle Produkte halten, was sie versprechen.
  • Die kleinen Blutsauger beißen sich nicht gleich fest. Sie suchen sich erst mal eine geeignete Stelle. Meist lassen sie sich dort nieder, wo es feuchtwarm ist. Deshalb stehen die Chancen gut, dass Sie den Plagegeist erwischen, bevor er sich festbeißen kann. Wenn Sie sich im Freien aufgehalten haben, sollten Sie Ihren Körper (und den Ihres Kindes) sowie Kleidungsstücke nach Zecken absuchen.

Nach dem Biss

  • Hat sich eine Zecke festgebissen, sollten Sie das Tier schnellstmöglich entfernen. Ideal sind hierfür spezielle Zeckenpinzetten (erhältlich in Apotheken und Drogerien). Drehen Sie damit den Blutsauger vorsichtig raus. Sollte der Kopf drin bleiben, ist es ratsam, ihn vom Arzt entfernen zu lassen, sonst kann sich die Stelle leicht entzünden.
  • Vergessen Sie so zweifelhafte Anti-Zecken-Mittel wie Klebstoff oder Öl. Dadurch wird die Zecke nur gestresst, was wiederum zu einer stärkeren Sekretausschüttung führt. Damit steigt auch das Infektionsrisiko! Das Gleiche gilt auch für das Zerquetschen von Zecken, z. B. beim Herausdrehen.
  • Desinfizieren Sie die Bissstelle.
  • Achten Sie in den nächsten Tagen und Wochen verstärkt auf eine eventuelle Hautrötung oder grippeähnliche Symptome. Bei auftretenden Beschwerden sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen.

(CI) 13.02.2005

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