Krankheiten
Schlaganfall
Optimale Chancen auf Rettung hat, wer so rasch wie möglich ins Krankenhaus eingeliefert wird. Idealerweise in eine spezielle Schlaganfall-Abteilung, eine so genannte Stroke Unit. Noch besser wäre es natürlich, es käme gar nicht erst zum Schlaganfall. Tatsächlich kündigen sich rund die Hälfte aller Hirninfarkte an. Werden die Warnsignale rechtzeitig erkannt, kann ein Anfall in vielen Fällen verhindert werden.
Symptome
Ein Schlaganfall ist durch plötzlich auftretende, neurologische Ausfälle gekennzeichnet. Die Symptome hängen davon ab, welches Gehirnareal wie stark betroffen ist. Aber es gibt auch stumme Schlaganfälle, die keine Beschwerden nach sich ziehen. Dabei handelte es sich dann im allgemeinen um Verschlüsse kleinerer Arterien.
Sind wichtige und größere Areale betroffen, zeigen sich deutliche Anzeichen. Typisch sind Lähmungen einer ganzen Körperhälfte, wobei häufig der Mundwinkel oder das Augenlid der jeweiligen Seite herabhängt sowie Taubheits- oder Kribbelgefühle im Arm, Bein oder Gesicht.
Zu den weiteren Symptomen gehören starke Kopfschmerzen, Sprach-, Schluck- oder Sehstörungen. Die Betroffenen sehen auf einmal schlechter oder doppelt. Manchmal kommt es auch zum vorübergehenden Erblinden eines Auges. Auch Bewusstseinstrübungen, Schwindel, Schwanken, Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Ein schwererer Infarkt geht häufig mit Bewusstlosigkeit einher.
Zehn Prozent aller Patienten sterben an dem Schlaganfall. Die Gefährlichkeit hängt von der Schwere und der Art des Schlaganfalls ab. Lebensbedrohlicher als der ischämische ist der hämorrhagische Schlaganfall. Wer überlebt, trägt oft Behinderungen unterschiedlichen Ausmaßes davon.
Wichtig:
In 50 Prozent der Fälle gehen dem eigentlichen Schlaganfall ähnliche Symptome voraus. Diese können schon Wochen vorher auftreten. Meist verschwinden sie nach einigen Minuten oder wenigen Stunden wieder. Zu den klassischen Warnsignalen zählen: kurzzeitige Sprach- und Sehstörungen, Gedächtnisverluste, einseitige Empfindungsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen. Tauchen solche Vorboten auf, sollte man unbedingt umgehend einen Arzt aufsuchen. Besonders, wenn es sich um mehrere Symptome handelt.
Bei rechtzeitiger Diagnose sinkt das Risiko einen schweren Anfall zu erleiden um die Hälfte. Denn der Arzt kann versuchen, die Risikofaktoren zu verringern. So werden in vielen Fällen Bluthochdruck und Blutfettwerte durch entsprechende Maßnahmen gesenkt. Oder man bekommt ein gerinnungshemmendes Mittel wie Aspirin verabreicht. Manchmal ist auch ein Eingriff notwendig. Neuroradiologen können verengte Gefäße mit Kathedern von innen dehnen. In einigen Fällen wird eine verengte Halsschlagader operativ ausgeschält.
Ursachen
Meist liegt dem Schlaganfall eine Arteriosklerose zu Grunde. Diese geht mit Kalk- und Fettablagerungen in den Arterien einher. Das führt dazu, dass sich die Blutbahnen auf Dauer verengen und spröde werden. Ein weiteres häufiges Grundübel ist Bluthochdruck, wodurch die Adern zusätzlich beansprucht werden.
Grundsätzlich kommt der Apoplex, wie der medizinische Fachausdruck für den Schlaganfall lautet, in zwei Formen vor. Bei 80 Prozent aller Patienten liegt ein Gefäßverschluss vor. Dieser kann eine Ader betreffen, die zum Gehirn führt oder ein Gefäß im Gehirn. Eine gefährliche Barrikade, der wiederum zwei Auslöser zu Grunde liegen können:
Entweder kommt es vor Ort zur Bildung eines Blutgerinnsels, welches die verengte Arterie verstopft. Oder es hat sich irgendwo im Körper ein Blutgerinnsel gelöst, das mit dem Blutstrom zum Gehirn befördert wird. Da sich dort sehr kleine Gefäße befinden, kann das "fremde" Gerinnsel dem Gehirn schnell gefährlich werden. Das Resultat ist in beiden Fällen das gleiche: Die Blutzufuhr wird unterbrochen. Und das bedeutet für den Bereich, der hinter der Arterie liegt, akuten Sauerstoffmangel. Diese unblutige Form nennt man ischemischen Infarkt.
Bei den restlichen 20 Prozent der Fälle ist ein Gefäß geplatzt oder gerissen, wodurch eine Blutung im Gehirn ausgelöst wird. Folge: Das Gehirn wird gequetscht oder sogar zerstört. Die blutige Form nennt man hämorrhagischen Schlaganfall.
Zu den weiteren Ursachen eines Schlaganfalls gehören Störungen der Blutgerinnung und Gefäßmissbildungen sowie schwere Entzündungen. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler momentan, ob Bakterien ebenfalls in Frage kommen. Darüber hinaus sind Gefahrenquellen bekannt, die einen Schlaganfall begünstigen können. Dazu zählen Diabetes, Übergewicht, erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Stress, Bewegungsmangel, bestimmte Herzerkrankungen sowie die genetische Veranlagung.
Neuerdings gilt auch ein hoher Homozystein-Spiegel als gefährlich. Denn diese Aminosäure fördert die Ablagerung von Cholesterin in den Arterien. Auch die Antibaby-Pille kann bei manchen Frauen das Schlaganfallrisiko erhöhen - besonders wenn es sich um Raucherinnen handelt. Natürlich ist das Alter ebenfalls ein klassischer Risikofaktor. Etwa die Hälfte der Betroffenen ist über 75. Der Schlag kann aber auch jüngere Leute treffen.
Hinweis: Je mehr Punkte auf Sie zutreffen, desto wichtiger sind die Vorsorgeuntersuchungen!
Diagnose
Der Notarzt kann nicht viel tun, auÃer den Patienten rasch in die Klinik zur bringen. Dort wird man die Diagnose so schnell wie möglich stellen. In Frage kommen neurologische Untersuchungen, Laboruntersuchungen, EKG, Computertomografie und Ultraschalluntersuchungen. Die besten Möglichkeiten bieten Krankenhäuser, die über sogenannte Stroke Units verfügen.
Zur Früherkennung werden ebenfalls neurologische Testverfahren und Ultraschall zu Rate gezogen. Auch die Entnahme von Blutproben ist angezeigt.
Behandlung
Bei Schlaganfall ist höchste Eile geboten. Die Zeit entscheidet über das Schicksal des Patienten. Man hat nur drei, maximal sechs Stunden Zeit. So lange halten die Blutgefäße, die sich in der Nähe des Verschlusses befinden, noch eine Art Notversorgung des betroffenen Areals aufrecht. Wird dieser Zeitpunkt überschritten, sterben die Nervenzellen unwiderruflich ab.
Der Patient muss daher unverzüglich mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden. Am besten in eine, die über eine Stroke Unit verfügt. Während man auf den Notarzt wartet, sollte der Kranke beruhigt werden. Hat dieser Schluckstörungen, Übelkeit oder bereits erbrochen, muss man ihn in die stabile Seitenlage bringen.
Die Behandlung richtet sich nach der Art des Schlaganfalls. Handelt es sich um einen ischämischen Infarkt, wird man versuchen das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen. Das funktioniert jedoch nur in den ersten drei Stunden noch relativ gut. In manchen Fällen wird den Betroffenen Heparin verabreicht, um das Wachsen oder die Neubildung von Blutgerinnseln zu verhindern. Liegt eine Verengung der Halsschlagader zu Grunde, kann man die Ablagerungen chirurgisch entfernen.
Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall wird man durch blutdrucksenkende Medikamente oder eine Punktion den Druck im Gehirn senken. Eventuell wird die Quelle auch operativ verschlossen.
Überlebt der Patient, kommt es auf das Ausmaß der Schäden an. War nur ein kleines Areal betroffen, bleiben keine Beeinträchtigungen zurück. Wurde ein größerer Gehirnbereich in Mitleidenschaft gezogen, kann es zu Behinderungen kommen. Häufig bleiben halbseitige Lähmungen des Körpers oder Sprachstörungen zurück, die sich jedoch oft im Zuge von Rehabilitations-Maßnahmen verbessern lassen. Diese sollten so früh wie möglich beginnen - und zwar bereits nachdem die ersten kritischen Tage überstanden sind.
Darüber hinaus muss man nach einem Schlaganfall Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen, um eine Wiederholung zu verhindern. Dazu gehört eine Veränderung der Lebensweise sowie häufig die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten.
Alternative Heilmethoden
Im Falle eines akuten Schlaganfalls sind keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten bekannt.
Vorbeugung
Risikofaktor Nummer 1 ist Bluthochdruck. Lassen Sie diesen Wert regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls behandeln. Es lohnt sich: Denn allein dadurch reduzieren Sie Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko um die Hälfte. Auch sollten Sie die Blutfettwerte checken lassen. Sind Sie zu hoch, helfen Medikamente und eine Ernährungsumstellung. Wichtig ist: Seien Sie sparsam mit Salz, Fleisch, Fett und vermeiden Sie vor allem tierische Fette. Bevorzugen Sie eine ausgewogene, mediterrane Kost mit viel Obst, Gemüse, Salat, Fisch und ein wenig Olivenöl.
Bauen Sie Übergewicht ab, verzichten Sie auf Zigaretten und trinken Sie Alkohol höchstens in Maßen. Auch körperliche Aktivität spielt eine große Rolle. Empfehlenswert sind 30 Minuten Bewegung pro Tag - entweder sanfte Ausdauersportarten wie Radfahren, Schwimmen, Laufen oder zügige Spaziergänge.
(CI) 13.02.2005

