Krankheiten
Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Die Ursachen sind zumeist viele kleine "Sünden", die sich im Laufe der Jahre summieren: zu üppiges und zu fettes Essen, der geliebte Glimmstängel und die vielen Gläschen Alkohol. Diese Gewohnheiten führen auf Dauer zu Bluthochdruck und Arterienverkalkung, den zwei Hauptauslösern der Herzschwäche. Weiterer Faktor: Dank des medizinischen Fortschritts werden wir immer älter und unsere Pumpe muss immer länger halten.
Wenn unser Lebensmuskel das Pensum nicht mehr bewältigen kann, hat dies gravierende Folgen: Die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und erleiden Sauerstoffmangel. Außerdem staut sich das Blut in den Lungen oder im Gewebe. Erste Beschwerden wie Atemnot oder Ödeme (Wassereinlagerungen) treten zu Tage - höchste Zeit etwas zu tun.
Symptome
Herzinsuffizienz verläuft schleichend. Die ersten Beschwerden bemerkt man meist relativ spät. Deswegen wird die Krankheit oft jahrelang verschleppt - und befindet sich bei Diagnosestellung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.
Generell teilt man den Verlauf der Krankheit in vier Schweregrade ein. Bei Stufe 1 spürt man noch nichts. Hat man Phase 2 erreicht, kommt es bei stärkerer körperlicher Belastung zu einer leichten bis mittelschweren Symptomatik. In Phase 3 melden sich die Beschwerden schon bei geringer Anstrengung. Im letzten Stadium treten die Anzeichen selbst im Ruhezustand in Erscheinung.
Als typische Anzeichen einer Herzschwäche gelten: verminderte körperliche Belastbarkeit und allgemeine Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Atemnot und Herzenge, Herzjagen und Herzrhythmusstörungen, Hustenreiz, Ödeme und nächtlicher Harndrang. Die Symptome sind immer davon abhängig, welche Herzhälfte betroffen ist.
Funktioniert die linke Herzkammer nicht optimal, staut sich das Blut in den Venen bis zurück in die Lunge, wo es zu Wasseransammlungen kommt. Selbst kurze Strecken kosten nun enorme Kraft und der Atem geht keuchend. In fortgeschrittenen Stadium leiden die Betroffenen permanent unter Atemnot sowie unter trockenem Dauerhusten. Außerdem kann es zu rasselnden Atemgeräuschen kommen sowie zu blutigem Auswurf.
Ist die rechte Herzkammer geschwächt, staut sich das Blut bis zurück in den Bauch, die Leber und die Beine. Ödeme bilden sich - und zwar typischerweise rund um die Knöchel sowie in den Unterschenkel oder den Armen. Doch auch in den Organen lagert sich Wasser ein, vor allem in Leber und Milz. Dadurch schwellen die Organe an, was ihre Funktion beeinträchtigt und außerdem schmerzhaft ist.
Ferner kann sich Wasser in der Bauchhöhle ansammeln, was zu einer Zunahme des Bauchumfangs führt. Im fortgeschrittenen Verlauf sind im allgemeinen beide Herzseiten betroffen. Dann kommt es zu Ödemen und zu Atemnot. Darüber hinaus kann der Sauerstoffmangel allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit und Benommenheit auslösen.
Im Endstadium sind die Patienten meist bettlägerig und bekommen nur noch in aufrechter Sitzposition in der Lage, genügend Luft . Nun können weitere gefährliche Folgeerkrankungen auftreten wie akutes Nierenversagen, Thrombose oder ein Schlaganfall. Auch können Patienten in dieser Phase ein Kreislauf-, Organ- und Herzversagen erleiden oder Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen.
Ursachen
Vor allem zwei Grundübel sind dafür verantwortlich, dass das Herz seine Leistung nicht mehr 100prozentig erfüllen kann: Bluthochdruck und Arteriosklerose. Durch erhöhten Blutdruck wird das Herz permanent überfordert. Liegt eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße vor, bekommt das Herz zu wenig Sauerstoff.
In manchen Fällen sind aber auch Viren oder Bakterien, Diabetes, Herzklappenfehler, Erkrankungen des Herzmuskels und Herzbeutels oder Herzrhythmusstörungen die Auslöser einer Herzschwäche. Und - natürlich - ist das Alter ein ganz entscheidender Faktor.
Um die Krankheit zu verstehen, muss man wissen, wie das Herz funktioniert. Das Herz ist ein Hohlmuskel und so eine Art Motor des Kreislaufs. Es besteht aus zwei Kammern, die verschiedene Aufgaben haben. Die linke Kammer pumpt das sauerstoffreiche Blut über die Lunge in den Körper. Die rechte Kammer befördert das verbrauchte, sauerstoffarme Blut, das aus dem Körper und seinen Organen zurückfließt, wieder zurück in die Lunge. Dort wird es erneut mit Sauerstoff angereichert. Ist die linke Herzkammer in ihrer Funktion eingeschränkt (Linksherzinsuffizienz), staut sich das Blut bis in die Lunge zurück.
Bei einem Leistungsabfall der rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz), staut sich das Blut bis in den Bauch, die Leber und die Beine. Im fortgeschrittenen Verlauf sind meist beide Herzkammern betroffen. Dann spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz.
In den meisten Fällen entwickelt sich so über Jahre hinweg zwangsläufig eine chronische Herzmuskelschwäche, in deren Verlauf sich das Herz außerdem zunehmend vergrößert. Denn aufgrund des wachsenden Drucks weiten sich die Herzkammern. Doch das führt nur dazu, dass sie ihre Pumpleistung immer schlechter erfüllen können. Ein Teufelskreis.
Neben der langsam fortschreitenden Herzschwäche gibt es auch die akute Herzinsuffizienz, bei der die Symptome plötzlich auftreten. Dieser lebensbedrohliche Zustand tritt beispielsweise bei einem akuten Herzinfarkt auf.
Diagnose
Man kann die Erkrankung feststellen, bevor der Patient die ersten Symptome merkt. Darum sollte man die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen. Auch wer unter unklaren Beschwerden leidet, sollte diese Symptome stets von einem Arzt abklären lassen. Denn wird die Funktionsstörung des Herzens früh entdeckt, lässt sich das Leiden viel besser behandeln.
Bei Verdacht auf Herzinsuffizienz werden umfangreiche Diagnosemethoden eingeleitet. Am Anfang steht die ausführliche Erhebung der Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung. Dabei wird unter anderem der Blutdruck gemessen, Herz und Lunge abgehört, Leber und Milz abgetastet und die Gliedmaßen auf Ödeme begutachtet.
Dann erfolgt eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, die Aufschluss über eine eventuelle Herzvergrößerung oder Wasseransammlungen in der Lunge geben kann. Weitere Maßnahmen sind EKG sowie die Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) und des Bauchraums. Auch Blutproben werden entnommen.
Um die Leistung des Herzens beurteilen und das Ausmaß einer Arterienverkalkung festzustellen zu können, wird eventuell eine Herzkatheter-Untersuchung notwendig. In diesem Fall führt man einen dünnen Schlauch über die Leistenarterie in die Koronararterien ein. Über diesen Katheter wird dann Röntgenkontrastmittel in die Herzkranzgefäße eingeleitet. So werden Verengungen im Röntgenbild sichtbar.
Hinweis: Bei Herzschwäche kommt es in vielen Fällen zu einer Diskrepanz zwischen Befund und Befinden. Tatsächlich wird die Krankheit von den Betroffenen individuell sehr unterschiedlich empfunden. Während bei einigen Patienten typische Beschwerden schon bei mäßig ausgeprägter Herzschwäche zu Tage treten, geht es anderen mit stark ausgeprägter Herzschwäche noch relativ gut. Auch die Prognose ist im allgemeinen recht schwierig. In seltenen Fällen bildet sich die Herzinsuffizienz zurück. Meist schreitet die Krankheit fort.
Behandlung
Herzschwäche ist eine chronische Krankheit, die fortschreitet und ohne Behandlung tödlich endet. In manchen Fällen ist eine Heilung möglich - und zwar, wenn man die auslösende Ursache beseitigen kann. Ist das nicht der Fall, lässt sich der Verlauf zumindest verlangsamen. In der Regel muss allerdings lebenslang therapiert werden.
Das wesentliche Ziel ist die Behandlung der Grunderkrankung, wie beispielsweise des Bluthochdrucks. Meist werden Medikamente verabreicht, die gefäßerweiternd wirken oder das Blutvolumen vermindern - und dem Herzmuskel so die Arbeit erleichtern.
Dazu gehören unter anderem:
* Diuretika - Sie wirken harntreibend und somit entwässert. Dadurch werden überschüssiges Wasser und Salze ausgeschwemmt. Effekt: Blutdruck und Blutvolumen sinken.
* ACE-Hemmer - Sie haben eine gefäßerweiternde Wirkung. So wird das Herz entlastet.
* Betablocker - Sie schützen das Herz vor dem schädlichen Einfluss der Stresshormone.
Darüber hinaus helfen blutverdünnende Mittel, die Bildung von gefährlichen Blutgerinnseln zu vermeiden. Außerdem gibt es Präparate, die gezielt gegen Folgeerscheinungen wie Ödeme eingesetzt werden. In bestimmten Krankheitsstadien kommt auch Digitalis zum Einsatz.
In den meisten Fällen müssen mehrere Mittel mit unterschiedlicher Wirkstoffen gleichzeitig eingenommen werden. Genügen die medikamentösen Therapiemaßnahmen nicht, kommen operative Eingriffe in Frage. Dazu zählen unter anderem:
* das Einsetzen eines Herzschrittmachers. Dieses Gerät gibt dem Herzen kleine elektrische Impulse und sorgt dafür, dass das Herz regelmäßig schlägt. Bei schnellen Herzrhythmusstörungen wird ein spezieller Herzschrittmacher eingesetzt: der so genannte Defibrillator. Dieser Mini-Computer löst im Notfall einen Elektroschock aus.
* das Legen eines Bypasses. Hier wird dem Patienten eine gesunde Vene entnommen (oder eine künstliche Vene eingesetzt) und mit dieser die kranke Arterie überbrückt.
* Ballondilatation. Mit einem Katheter an dessen Spitze sich ein aufblasbarer Ballon befindet, werden die Herzkrankgefäße geweitet.
* Die allerletzte Maßnahme ist eine Herztransplantation.
Der Patient kann selbst einiges zum Therapieerfolg beitragen. Die Aufmerksamkeit sollte dabei vor allem der Ernährung gelten. Wer ein krankes Herz besitzt, muss sich gesund und ausgewogen ernähren. Wichtig ist fett- und salzarme Kost. Darüber hinaus sollten sich auch Menschen mit chronischer Herzschwäche regelmäßig bewegen, möglichst unter Anleitung eines Arztes. Weitere wichtige Punkte sind: Finger weg von Zigaretten und Alkohol, vermeiden Sie Stress und reduzieren Sie gegebenenfalls Übergewicht.
Nehmen Sie die verordneten Medikamente regelmäßig ein und versäumen Sie keine Kontrolltermine beim Arzt. Außerdem sollten Sie Ihr Gewicht kontrollieren. Eine ungewöhnliche Zunahme weist auf Wasseransammlungen hin. Überhaupt darf die Gesamtmenge der täglichen Flüssigkeitszufuhr nicht mehr als 1 bis 1,5 Liter betragen.
Im Verlauf der Krankheit kann es durchaus zu Krisen kommen, die mit einer deutlichen Zunahme der Beschwerden einhergehen. Dann wird im allgemeinen ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Die akute Herzschwäche ist immer ein Notfall, bei dem sofort der Notarzt gerufen werden muss. Betroffene sollten halb aufrecht oder sitzend gelagert und beruhigt werden.
Tipp: Neue Hoffnung versprechen derzeit Studien mit Stammzellen. Mit ihrer Hilfe möchte man künftig den geschädigten Herzmuskel reparieren.
Alternative Heilmethoden
Bei beginnender Herzschwäche haben sich Weißdornpräparate bewährt. Diese Heilpflanze verbessert Durchblutung und Schlagleistung des Herzens.
Liegt eine besondere Form der Herzrhythmusstörung vor, so kann im weiteren Verlauf der Krankheit eine weitere alte Heilpflanze zum Einsatz kommen: Digitalis. Es verlangsamt den Herzschlag und stärkt das Herz. Die Wirkstoffe des Fingerhuts dürfen aber nur unter strenger ärztlicher Überwachung verabreicht werden. Denn bei Digitalis ist eine sehr exakte Dosierung notwendig. Schon leichte Überdosierungen führen zu starken Beschwerden, die lange anhalten können.
Vorbeugung
Eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung ist der beste Schutz fürs Herz. Vor allem, wenn dabei auch noch auf Alkohol und Nikotin verzichtet wird.
Die wichtigsten Regeln in Hinblick auf Ernährung sind: Ernähren Sie sich fettarm - und verzichten Sie beispielsweise auf gehaltvollen Wurst- und Käseaufstrich. Wenn Sie Fett verwenden, dann vermeiden Sie tierische Fette und benutzen Sie stattdessen pflanzliche Öle. Seien Sie sparsam mit Salz, denn Salz bindet Wasser im Körper.
Außerdem sollten Sie nur wenig Eier und Butter essen und sich bei Süßigkeiten zurückhalten. Der herzgesunde Speiseplan besteht aus viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten sowie magerem Fleisch und Fisch. Auch regelmäßige Bewegung hält das Herz und die Gefäße fit. Am besten sind Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Schwimmen oder Skilanglauf.
Da jedes Pfund mehr auf den Hüften fürs Herz mehr Arbeit bedeutet, sollten Sie bei Übergewicht abnehmen. Patienten, die unter Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, arterielle Durchblutungsstörungen oder Koronarer Herzkrankheit leiden, müssen diese Krankheiten ärztlich behandeln lassen.
(CI) 13.02.2005

