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Herzinfarkt

Er kommt oft wie ein Blitz aus heiterem Himmel - beim Sport, im Büro oder im Bett: der Herzinfarkt. Und es ist, als würde sich ein Eisenring um die Brust zusammenziehen, so beschreiben viele männliche Betroffene ihr Befinden dabei. Außerdem leiden sie unter starken Schmerzen und sind aschfahl im Gesicht.

Frauen haben dagegen häufig andere Beschwerden wie Bauch-, Rückenschmerzen oder Müdigkeit. Deswegen wird gerade beim weiblichen Geschlecht ein Herzinfarkt oft nicht schnell genug erkannt. Tatsächlich warten viele der Angehörigen oder auch die Kranken selbst zu lange, bis sie Krankenwagen rufen. Das ist einer der Hauptgründe, warum immer noch ein Drittel der Betroffenen vor der vor der Ankunft im Krankenhaus stirbt. Und warum der Herzinfarkt nach wie vor die Todesursache Nummer 1 ist.

Fakt ist: Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Denn er geht mit der Verstopfung der Herzkranzgefäße einher. Folge: Teile des Herzens werden nur noch mangelhaft durchblutet, das Gewebe droht abzusterben. Im schlimmsten Fall kommt es zu Herzversagen oder Herzstillstand.

Doch so plötzlich der Herzinfarkt kommen kann, so weit reicht seine Vorgeschichte zurück: zu viele Zigaretten, zu viele üppige Mahlzeiten, zu viel Stress und zu wenig Bewegung. Im Laufe vieler Lebensjahre entwickeln sich diese Risikofaktoren zu tickenden Zeitbomben, die irgendwann das Herz zum kollabieren bringen.

Symptome

Ein akuter Herzinfarkt kündigt sich bei Frauen und Männer anders an. Männer erleiden typischerweise plötzlich auftretende, heftige drückende oder brennende Schmerzen in der linken Brust, die länger als fünf Minuten anhalten. Diese können auch in Arme, Schultern sowie in Rücken, Hals, Kiefer und Bauch ausstrahlen. Außerdem kommt es zu kalten Schweißausbrüchen und die Betroffenen werden blass und fahl im Gesicht. Weitere Merkmale sind schwere Atemnot, flacher und schneller Puls, starkes Engegefühl, Beklemmungs- und Angstzustände, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, eventuell auch Bewusstlosigkeit.

Frauen dagegen klagen häufig über starke Müdigkeit, Schlafstörungen, Magenbeschwerden, Schwächegefühle, Übelkeit und Erbrechen, Rückenschmerzen sowie Atemnot. Die für Männer so typischen Beschwerden wie ausstrahlende Schmerzen in der Brust sowie Druck- und Engegefühle gibt es bei Frauen viel seltener.

Charakteristisch ist, dass die Beschwerden im Ruhezustand nicht abklingen. Oft treten Infarkte in den frühen Morgenstunden auf. In Einzelfällen kommt es auch zu stummen Herzinfarkten, die ohne oder nur mit leichten Beschwerden einher gehen. Diabetiker sind davon besonders häufig betroffen. Sie werden meist erst viel später zufällig im EKG entdeckt.

Frühwarnsymptome

Nur für rund 50 Prozent der Betroffenen kommt der Anfall tatsächlich völlig unerwartet. Sie hatten vorher nicht einmal Schmerzen. Doch die andere Hälfte der Patienten kämpfte bereits vor dem Infarkt mit Beschwerden, die häufig nicht ernst genommen wurden. Zu diesen Warnsignalen gehört die Herzenge (Angina pectoris). Hierbei kommt es unter körperlicher Belastung wie Treppen steigen zu Schmerzen oder Druckgefühlen in der Brust sowie zu Atemnot. Diese Anzeichen verschwinden jedoch nach wenigen Minuten Ruhe wieder. Allerdings können sie in den Tagen vor dem Anfall verstärkt auftreten - und Vorboten eines Herzinfarktes sein.

Ursachen

Wer einen Herzinfarkt erleidet, für den mag das wie ein Schicksalsschlag aussehen. Doch eigentlich kommt der Anfall gar nicht so plötzlich. In den meisten Fällen liegt ihm ein anderes Leiden zu Grunde, das sich bereits über einen langen Zeitraum entwickelt hat: Arteriosklerose.

Bei dieser Grunderkrankung kommt es zu Fett- und Kalkablagerungen an den Gefäßwänden. Das führt dazu, dass die Arterien immer enger werden, bis irgendwann kaum mehr Blut hindurch strömen kann. In manchen Fällen droht allein dadurch ein Gefäßverschluss.

Meist stellt sich jedoch eine weitere Komplikation ein - ein Blutgerinnsel. Dieses entsteht, wenn sich Teile der Ablagerungen lösen. Daraufhin bildet sich ein kleines Gerinnsel aus Blutplättchen, um die Wunde zu verschließen. Dieses Gerinnsel kann zum Pfropf werden und die ohnehin verengte Arterie verstopfen.

Das Resultat ist in beiden Fällen das gleiche. Bei einem vollständigen Gefäßverschluss fehlt dem dahinter gelegenen Gewebe Luft. Nach etwa sechs Stunden ohne Sauerstoff, stirbt der Muskel ab. Das Ausmaß des Schadens hängt davon ab, welche Stelle betroffen ist. Ist es eine wichtige, drohen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) und Pumpversagen.

Die Gefahr eines Herzinfarktes wird durch folgende Risikofaktoren begünstigt: Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und ungesunde, fettreiche Ernährung. Vor allem erhöhter Cholesterinspiegel stellt eine Gefahrenquelle dar. Denn Cholesterin ist ein Fett, das sich in den Arterien ablagert.

Seelischer und körperlicher Stress setzen dem Herzen auf Dauer ebenfalls zu. Darüber hinaus gibt es eine genetische Veranlagung. In Einzelfällen kann auch die Entzündung der Herzkranzgefäße oder ein eingeschlepptes Blutgerinnsel einen Herzinfarkt herbeiführen.

Hinweis: Männer sind in den ersten Lebensjahrzehnten gefährdeter als das weibliche Geschlecht. Denn Frauen genießen dank der Östrogene einen natürlichen Schutz vor Herzinfarkt. Dieser entfällt jedoch mit den Wechseljahren oder, wenn Frauen gleichzeitig rauchen und die Anti-Baby-Pille einnehmen. In diesem Fall haben sie wiederum ein deutlich höheres Infarktrisiko.

Diagnose

Herzinfarkt ist ein Wettlauf mit der Zeit. Das Leben des Patienten hängt davon ab, ob er rechtzeitig ins Krankenhaus kommt. Daher gilt bei Verdacht auf Herzinfarkt: Lieber den Rettungswagen einmal zu viel rufen als einmal zu wenig oder zu spät.

Schon im Krankenwagen wird dann ein EKG gemacht. Bestimmte Bluttests helfen, die Diagnose zu verfestigen. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens lässt erkennen, welcher Bereich betroffen ist. Mittels einer Herzkatheter-Untersuchung kann man genau feststellen, welche Gefäße verengt oder verschlossen sind.

Behandlung

Verdacht auf Herzinfarkt bedeutet Alarmstufe rot. Je früher gehandelt wird, desto größer sind die Überlebenschancen für den Betroffenen. Daher muss unverzüglich ein Notarzt gerufen werden.

Während des Wartens auf den Rettungswagen, können Menschen, die zugegen sind, etwas zur Erstversorgung beitragen. Laut einem Ratschlag der Deutschen Herzstiftung sollte man dem Herzkranken Acetylsalicylsäure verabreichen. Diese Substanz ist beispielsweise in Aspirin enthalten. Außer: Der Betroffene hat bereits Acetylsalicylsäure eingenommen oder verträgt es nicht. Wenn der Kranke nicht mehr atmet oder keinen Puls mehr hat, sollte man sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen - vorausgesetzt die Technik wird beherrscht.

Die Behandlung eines akuten Herzinfarktes findet immer auf der Intensivstation statt. Insgesamt hat man nur wenige Stunden Zeit, um das verschlossene Gefäß zu öffnen. Liegt ein Blutgerinnsel vor, kann dieses medikamentös aufgelöst werden. Die besten Chancen auf Erfolg bestehen in den ersten 60 Minuten nach Auftreten der Symptome.

Weitere Möglichkeiten sind: Der Engpass im Gefäß kann mit einem Katheter geweitet werden, an dessen Spitze sich ein aufblasbarer Ballon befindet. Damit sich die Arterie nicht wieder schließt, wird sie in vielen Fällen durch eine Gefäßstütze offen gehalten. In einigen Fällen muss ein Bypass gelegt werden. Hierfür wird dem Patienten eine gesunde Vene aus einem anderen Körperbereich entnommen (oder es wird ein künstlicher Bypass verwendet) und mit dieser dann die kranke Arterie überbrückt. Darüber hinaus werden verschiedene Präparate verabreicht. Dazu gehören blutgerinnungshemmende Mittel. Sie verhindern, dass sich ein weiteres Blutgerinnsel bildet. Zusätzliche Medikamente sorgen unter anderem dafür, dass sich die Gefäße weiten.

Entscheidend ist auch die Nachsorge. Haben die Patienten den Infarkt überstanden, stehen Krankengymnastik und Atemübungen auf dem Programm. Später sollte man zu leichten Ausdauersportarten übergehen, wobei Art und Dauer mit dem Arzt besprochen werden müssen. Allgemein empfehlenswert sind Walken, Radfahren und Schwimmen.

Außerdem müssen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und Diabetes konsequent behandelt werden. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme angeraten. Rauchen sollte tabu sein. Und natürlich müssen die ärztlichen Kontroll-Untersuchung wahrgenommen werden.

Trotz aller Maßnahmen sterben im ersten Monat 40 bis 50 Prozent der Patienten. Patienten, die einen schweren Infarkt überlebt haben, behalten auf jeden Fall eine verminderte Pumpleistung des Herzens zurück. Oft in Form einer Herzinsuffizienz. Denn einmal abgestorbenes Gewebe wird durch narbiges Bindegewebe ersetzt. Und dieses kann die ehemalige Leistungsfähigkeit nicht mehr erbringen. Hat man einen kleinen Infarkt erlitten, bleiben kaum Beeinträchtigungen zurück.

Alternative Heilmethoden

Herzinfarkt ist ein Notfall, der so schnell wie möglich intensiv-medizinisch behandelt werden muss. Alternative Behandlungsarten sind allenfalls im Vorfeld möglich.

Vorbeugung

Fast jeder Mensch hat die Gesundheit seines Herzens selbst in der Hand. Tatsächlich könnten die meisten Herzinfarkte vermieden werden, wenn wir einfach nur gesünder leben würden. Und das am besten von vornherein. Für Menschen, die schon unter Grunderkrankungen wie Arteriosklerose leiden, ist die Prävention noch lebenswichtiger.

Der effektivste Schutz ist der Verzicht auf Nikotin. Ein Jahr der Nikotinabstinenz senkt das persönliche Infarktrisiko bereits um die Hälfte. Fast ebenso wichtig ist eine ausgewogene, fett- und cholesterinarme Vollwertkost. Die Ernährung sollte so vegetarisch wie möglich sein. Das heißt: Fisch, Obst und Gemüse, statt Wurst und Fleisch. Fett darf insgesamt nur sparsam verwendet werden. Und wenn, dann sollte mehrfach ungesättigtes Pflanzenöl auf den Tisch kommen, wie beispielsweise Olivenöl.

Bewegen Sie sich regelmäßig, das verbessert die Durchblutung des Herzmuskels. Geeignet sind sanfte Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Aber auch schon Spaziergänge sind gut fürs Herz. Und dabei muss man es nicht einmal übertreiben: Zwei bis dreimal pro Woche 30 Minuten gelten als ideal. Hinweis: Wer bereits eine Gefäßerkrankung hat, sollte nicht sofort loslegen, sondern die Sportart zuerst mit dem Arzt besprechen.

Vermeiden Sie Stress, im Privatleben wie im Beruf. Für Menschen mit Übergewicht empfiehlt sich eine Gewichtsabnahme. Krankheiten wie Diabetes, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Bluthochdruck müssen ärztlich behandelt werden, denn sie sind Risikofaktoren fürs Herz . Ratsam ist unter anderem eine regelmäßige Blutdruckkontrolle ab dem 35. Lebensjahr. Wer schon einen Infarkt hinter sich hat, sollte die Vorbeugung noch ernster nehmen. Denn die Gefahr eines zweiten Anfalls ist hoch.

(CI) 13.02.2005

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