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Lippenherpes (Herpes Simplex labialis)

Kaum hat man etwas Wichtiges vor - ein Bewerbungsgespräch, eine Prüfung oder ein Date - da kribbelt es auch schon an der Lippe. Ein Anzeichen, dass Betroffene nur zu gut kennen: Exakt an dieser Stelle wird bald ein Herpesbläschen aufblühen. Und meist passiert das eben genau dann, wenn es einem überhaupt nicht passt. Tatsächlich ist Stress einer der Hauptauslöser für die Fieberbläschen, wie Lippenherpes im Volksmund genannt wird. Doch auch andere Risikofaktoren können dazu führen, dass die Krankheit immer wieder ausbricht.

Symptome

Meist findet die Ansteckung bereits im Kindesalter statt - und zwar vor dem sechsten Lebensjahr. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zwölf Tage. Der erste Ausbruch verläuft im Allgemeinen jedoch beschwerdefrei. Manchmal kommt es allerdings zu Mundfäule.

Später kann das Leiden dann immer wieder aufs Neue aufflammen. Dabei treten dann die typischen Beschwerden auf. Zunächst fängt es am Lippenrand an zu prickeln, zu stechen oder zu jucken. In einigen Fällen kommen auch Schmerzen hinzu. Wenige Stunden später haben sich an der irritierten Stelle Bläschen gebildet, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Sie jucken, schmerzen und sind sehr empfindlich. Im weiteren Verlauf platzen sie auf, beginnen zu nässen, bis sie schließlich verkrusten. Normalerweise heilen die Bläschen innerhalb von acht bis zehn Tagen ohne Narbenbildung ab.

Die Häufigkeit der Schübe ist verschieden. Bei manchen Betroffenen bricht die Krankheit alle paar Wochen auf, bei anderen einmal im Jahr. Meist verläuft Lippenherpes zwar harmlos, aber in seltenen Fällen kann die Krankheit auch ernst, sogar lebensgefährlich werden.

Bei heftigeren Verläufen können sich die Bläschen auch an Wangen, Nasenlöchern, Ohrläppchen oder im Augenbereich bilden. Letzteres ist besonders gefürchtet, da die Viren dort unter Umständen bleibende Hornhautschäden anrichten. Außerdem können sie innere Organe wie Lunge, Gesichtsnerven oder das Gehirn befallen. Das ist vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. Krebs- oder Aidskranke) der Fall. Auch manchen Neurodermitis-Patienten drohen heftige Krankheitsentwicklungen, da ihre Haut bereits vorgeschädigt ist. Generell kann sich die Wunde zusätzlich immer mit Bakterien infizieren.

Ursachen

Lippenherpes wird durch das Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 verursacht. Die Übertragung erfolgt via Tröpfcheninfektion. Dies passiert vor allem durch direkten Kontakt, beispielsweise beim Küssen, aber auch über infizierte Gläser oder Besteck.

Neun von zehn Menschen tragen Antikörper gegen diesen Erreger in sich. Die Krankheit kommt nicht bei allen Betroffenen zum Ausbruch. Denn nach der Ansteckung wandern die Viren in die Nervenknoten. Dort schlummern sie im besten Fall ein Leben lang. Kommt es zu jedoch einer Schwächung des Immunsystems können sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Dann vermehren sie sich und befallen die Zellen der Oberhaut, wobei sie entlang der Nervenbahnen wandern. Nach dem Schub fallen die Erreger erneut in ihren Dämmerzustand - bis zum nächsten Mal.

Neben der allgemeinen Immunschwäche sind spezifische Auslöser für den Ausbruch bekannt. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • fiebrige Erkältungskrankheiten
  • UV-Strahlung oder Kälte (beispielsweise beim Skifahren)
  • Hitze
  • hormonelle Umstellungen während Menstruation und Schwangerschaft
  • Stress, vor allem Ekelgefühle
  • Hautverletzungen, wie Verbrennungen

Diagnose

Im Normalfall stellt der Arzt die Diagnose schon aufgrund des typischen Krankheitsbildes. Im Zweifelsfall kann die Diagnose durch einen Abstrich oder eine Blutprobe abgesichert werden.

Behandlung

Was die Therapie betrifft, kommt es ganz auf das Ausmaß an. Verläuft die Entwicklung glimpflich, können die Bläschen unbehandelt bleiben. Damit sie schneller austrocknen, empfiehlt sich jedoch Zinktinktur aus der Apotheke. Ansonsten sind antivirale Salben die Mittel der Wahl. Sie können die Viren zwar nicht töten, aber deren Vermehrung stoppen. Das reduziert die Beschwerden und die Krankheitsdauer. Allerdings müssen sie möglichst früh benutzt werden - und zwar in den ersten zwei bis drei Tagen, während die Bläschen aufblühen. Bei schweren Krankheitsbildern werden die Inhaltsstoffe auch als Tablette verabreicht.

Sollten stärkere Symptome auftreten oder ungewöhnliche Hautareale befallen werden, muss man dringend einen Arzt aufsuchen. Wer unter Neurodermitis leidet, sollte sich darüber hinaus schon bei den ersten Anzeichen von Lippenherpes zum Arzt gehen. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion der Wunde, kann der Einsatz von Antibiotika und desinfizierenden Mitteln notwendig werden.

Achtung: Bläschen möglichst nicht berühren! Denn in der Flüssigkeit, aber auch noch in der Kruste, tummeln sich Millionen Viren. Und die können leicht auf andere Körperstellen übertragen werden. Ist man doch mit den Bläschen in Kontakt gekommen, muss man sich sofort die Hände waschen.

Alternative Heilmethoden

Als Ersatz für Zinksalbe kann man auch weiße Zahnpasta verwenden. Gegen Juckreiz und Schmerzen hilft Aloe-Vera-Gel. Der Heilungsprozess lässt sich durch Extrakte aus Melissenblättern sowie Vitamin C beschleunigen. Menschen, die häufiger von Lippenherpes befallen werden, können vor belastenden Situationen ihre Abwehrkraft zusätzlich mit Pflanzenextrakten stärken. Hier empfiehlt sich eine Kur aus Sonnenhut, Lebensbaum und wildem Indigo, die drei Wochen vor dem Termin beginnen sollte.

Vorbeugung

Um eine Ansteckung zu verhindern, müssen Berührungen mit Betroffenen, die sich im akuten Krankheitsstadium befinden, vermieden werden. Ansteckungsgefahr besteht solange, bis die Kruste abgefallen ist. Besonders Küssen ist tabu. Da die Viren auch über Geschirr, Besteck, Handtücher übertragen werden können, muss die Hygiene in dieser Zeit ebenfalls sehr ernst genommen werden

Ganz besondere Vorsicht gilt für den Kontakt mit Kindern, da der Erreger meist in jungen Jahren übertragen werden. Warnhinweis: Beim Umgang mit Neugeborenen muss man noch vorsichtiger sein, da die Viren bei Babys lebensgefährliche Hirnhautentzündungen hervorrufen können.

Falls möglich, sollten Betroffene ihre Risikofaktoren kennen und diese künftig vermeiden. Bei hoher UV-Strahlung empfiehlt es sich, einen UV-Blocker rund um die Mundregion aufzutragen. Beim Skifahren schützt gegebenenfalls ein Mundschutz. Menschen, die besonders anfällig für Stress sind, können durch eine Verhaltenstherapie lernen besser mit belastenden Situationen umzugehen. Direkte vorbeugende Wirkung haben Zinktabletten. Bei besonders hartnäckigen Rückfällen kann man auch die antiviralen Medikamente als Prophylaxe nehmen.

Generell ist vitaminreiche, ausgewogene Ernährung, Sport an der frischen Luft und ausreichend Schlaf angeraten. Denn eine gesunde Lebensführung stärkt das Immunsystem und schützt somit vor Herpes.

(CI) 15.12.2005

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