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Krankheiten

Hörsturz

Er kommt wie aus heiterem Himmel, von einer Minute auf die andere. Ohne ersichtlichen Grund fällt das Gehör aus. Und bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum das passiert. Fakt ist jedoch: Viele Betroffene litten zuvor jedoch unter Stress und hatten im wahrsten Sinne des Wortes "zuviel um die Ohren".

Deswegen bezeichnet man den Miniinfarkt im Ohr auch als "Managerkrankheit". Mittlerweile sind von diesem neuen Volksleiden pro Jahr allein in Deutschland rund 15.000 Menschen betroffen. Die meisten Patienten befinden sich im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Doch auch immer mehr junge Erwachsenen sind unter den Betroffenen.

Symptome

Bei einem Hörsturz kommt in Sekunden- oder Minutenschnelle zu einer extremen Schwerhörigkeit, die bis hin zur Taubheit reichen kann. Meist ist nur ein Ohr betroffen, in seltenen Fällen beide. Häufig kommen Ohrensausen (Tinnitus) hinzu. Typisch ist auch ein dumpfes Gefühl, so als hätte man Watte im Ohr. Manchmal kommt es darüber hinaus zu vorübergehendem Schwindel.

Ursachen

Man vermutet, dass es bei dieser Krankheit zu einer Durchblutungsstörung in der Gehörschnecke im Innenohr kommt. Infolge dessen erleiden die Hörzellen einen Sauerstoffmangel, werden geschädigt und sterben im schlimmsten Fall ab. In den meisten Fällen ist wohl Stress dafür verantwortlich. So tritt ein Hörsturz beispielsweise nicht selten nach einer Prüfung auf.

Doch auch Lärm kann die Katastrophe im Ohr auslösen. Gefährlich ist vor allem plötzlicher, extrem lauter Krach, beispielsweise ein Silvester-Böller, der in nächster Nähe explodiert. Diesen Schaden nennt man dann auch "Knall-Trauma". Darüber hinaus gibt es noch viele weitere mögliche Auslöser oder Risikofaktoren für einen Hörsturz. Dazu zählen unter anderem:

  • extremer Alkohol- und/oder Nikotinkonsum
  • Druckschwankungen, z.B. beim Tauchen
  • Infektionen im Ohr
  • Stoffwechselkrankheiten, wie hoher Cholesterinspiegel oder Diabetes
  • Probleme an der Halswirbelsäule
  • Entzündungen wie Borreliose und Herpes
  • Autoimmunerkrankungen
  • Arteriosklerose
  • Tumore am Hörnerv

Diagnose

Bei Patienten, deren Hörvermögen plötzlich beeinträchtigt oder gar ausgefallen ist, überprüft der Arzt zunächst, ob der Gehörgang nicht nur durch einen Schmalzpfropf verstopft ist. Ist das nicht der Fall, stehen ein Hörtest und gründliche Untersuchungen des Hals-, Nasen- und Ohrenbereichs an. Auch die Funktionstüchtigkeit des Gleichgewichtsorgans wird getestet.

Bei Hinweisen auf andere Krankheiten als Auslöser erfolgt die Messung des Blutdrucks, gegebenenfalls werden auch Blutproben entnommen. Außerdem können Ultraschall-, Röntgen- oder Kernspin-Tomografieuntersuchungen in Betracht kommen.

Behandlung

Ein Hörsturz ist ein Eilfall. Er sollte sofort nach Auftreten der Symptome von einem HNO-Arzt behandelt werden. In der Regel bekommt der Patient Infusionen, welche die Durchblutung des Innenohrs fördern, um ein Absterben der Sinneszellen zu verhindern. Liegt eine starke Hörminderung vor, kommt dabei Kortison zum Einsatz.

In einigen Fällen erfolgt die Therapie stationär. Denn m Krankenhaus genießt der Patient Ruhe, wodurch die Heilung gefördert wird. Eine neue Methode ist die so genannte hyberbare Sauerstofftherapie. Hier atmet der Patient in einer Überdruckkammer reinen Sauerstoff ein. Dadurch erhalten die Sinneszellen im Ohr ebenfalls eine Extraportion Sauerstoff. Dieses Verfahren sollte so schnell wie möglich an die Infusionsbehandlung angeschlossen werden.

Ebenfalls recht innovativ ist die so genannte Hämapherese. Darunter versteht man ein Blutreinigungsverfahren, welches die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Auch diese Therapieform sollte so schnell wie möglich nach Auftreten der Beschwerden durchgeführt werden. Denn bei Hörsturz gilt: Bei frühen Therapiebeginn kommt es meist zu einer vollständigen Heilung.

Ist die Behandlung unterblieben, besteht jedoch ebenfalls Hoffnung. Denn in den meisten Fällen behebt der Körper den Hörsturz von selbst. Allerdings ist dann die Gefahr größer, dass Spätfolgen zurückbleiben. Dazu zählen:

    * eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, vor allem im Bereich der hohen Töne
    * chronischer Tinnitus

Jeder 3. bis 4. Patient erleidet außerdem einen Rückfall. Um dieses Risiko zu reduzieren, sollten Betroffene künftig vor allem Stress vermeiden. Hierbei helfen regelmäßig ausgeübte Entspannungsübungen, wie Autogenes Training oder Tai Chi.

Alternative Heilmethoden

Als naturheilkundliches Mittel hat sich Ginkgo bewährt. Der Extrakt aus dem japanischen Baum wird nach einem Hörsturz hoch dosiert eingenommen oder injiziert. Auch die Akupunktur hat schon manchem Patienten geholfen.

Sie kann durch Moxibustion ergänzt werden. Bei dieser Methode, die ebenfalls der Traditionellen Chinesischen Medizin entstammt, werden Beifuss-Kräuter über dem Körper angezündet. Sie räuchern das Ohr ein und erwärmen die Nieren, die als "Tore zu den Ohren" gelten.

Vorbeugung

Versuchen Sie Stress zu vermeiden. Beim Stressabbau helfen Entspannungsübungen sowie regelmäßige Spaziergänge in der Natur. Außerdem sollten Sie Ihre Ohren keinem starken Lärm aussetzten. Das heißt: Besuchen Sie Diskotheken, Rock-Konzerte und ähnlich laute Veranstaltungen nur mit Ohrstöpseln. Und drehen Sie Geräte, bei denen Sie über Kopfhörer hören, nicht bis zum Anschlag auf und verwenden Sie bei lärmenden Arbeiten einen entsprechenden Gehörschutz.

(CI) 18.01.2006

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