Krankheiten
Grippe (Influenza)
Allein in Deutschland gehen jedes Jahr Tausende von Todesopfern auf das Konto der Grippe. Darüber hinaus kommt es alle zwei bis drei Jahre zu einer regelrechten Grippe-Epidemie. Im Abstand von zehn bis 15 Jahren entwickelt sich sogar eine Pandemie. In diesem Fall breiten sich die Viren über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg aus - was unzählige Menschenleben fordert. So kamen bei der schwersten Grippewelle aller Zeiten, der spanischen Grippe von 1918/19, rund 20 Millionen Menschen ums Leben.
Erst vor kurzem löste die asiatische Vogelgrippe ähnliche Befürchtungen aus. Bei dieser Infektion wurden Viren von Hühnern auf den Menschen übertragen. Nur durch die massenhafte Schlachten der Tiere konnte die Epidemie eingedämmt werden.
Symptome
Die ersten Anzeichen der Grippe ähneln denen einer Erkältung. Allerdings setzen die Symptome viel plötzlicher und meist auch gleichzeitig ein. Und sie sind um einiges heftiger. Los geht es mit Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, Halsweh, Husten, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Auch kommt meist schon am ersten Tag Fieber hinzu, das durchaus Werte von über 39 °C erreichen und mehrere Tage lang anhalten kann. Manche Patienten bekommen außerdem Schüttelfrost, Atemnot und massive Erschöpfungszustände.
Nimmt die Infektion einen unkomplizierten Verlauf - wie das bei jungen und ansonsten gesunden Menschen im allgemeinen der Fall ist - bessert sich das Befinden schon innerhalb von sieben Tagen.
Bei allen anderen Grippekranken können bis zur völligen Genesung mehrere Wochen vergehen. Häufig leiden die Betroffenen in dieser Zeit vor allem unter dem quälenden Reizhusten. Da die Abwehrkräfte durch die Viren stark gefordert werden, wird außerdem das Entstehen von Folgeerkrankungen begünstigt. Das ist vor allem bei Menschen der Fall, deren Immunsystem geschwächt ist. In diesem Fall können sich weitere Infektionen mit Bakterien oder anderen Viren hinzu kommen. Dann drohen Entzündungen der Lunge, Ohren, Nasennebenhöhlen, Herzmuskel, Gehirn und Nervensystem. Solche Komplikationen können eine tödliche Bedrohung darstellen.
Ursachen
Die "echte" Grippe wird nur durch Grippeviren verursacht. Das Vertrackte an diesen Erregern ist: Sie können ihren genetischen Code verändern. Deswegen wird man nicht immun gegen sie - wie es bei anderen Viruserkrankungen der Fall ist - sondern kann sich immer wieder mit neuen Virusstämmen infizieren.
Insgesamt lassen sich die Influenza-Viren in die Typen A,B und C unterteilen. Von Bedeutung für die Grippe sind jedoch im wesentlichen nur A und B. Das Influenza A-Virus ist meist für den Ausbruch von Epidemien verantwortlich und gilt als das gefährlichste. Das Influenza B-Virus ist dagegen in der Regel viel harmloser. Es befällt im allgemeinen nur Kinder und Jugendliche.
Die Krankheit ist hochgradig ansteckend und wird über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen - und zwar im allgemeinen durch Husten, Niesen oder Sprechen. Doch das ist nicht immer so: Bei der asiatischen Vogelgrippe sprang das Virus von Hühnern auf den Menschen über.
Die Ausbreitung wird durch die kalte Jahreszeit begünstigt. Vor allem zwischen Dezember und April geben sich die Grippepatienten in den Arztpraxen die Klinke in die Hand. Zur Risikogruppe zählen vor allem Menschen mit schwacher Abwehrkraft wie Kinder, Ältere oder chronisch Kranke. Bei ihnen ist die Gefahr besonders hoch, dass die Erkrankung einen heftigen Verlauf annimmt, bei dem es auch zu Komplikationen kommen kann. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland 5000 bis 8000 Menschen an Grippe.
Diagnose
Ist gerade eine Grippewelle in Umlauf, erhöht dies die Sicherheit der Diagnose. Sie wird im allgemeinen anhand der typischen Symptome gestellt. Gestaltet sich der Verlauf unkompliziert, werden keine weiteren Untersuchungen vorgenommen. Bei schwerem Krankheitsverlauf jedoch sind Laboruntersuchungen notwendig.
Behandlung
Hat es Sie erst erwischt, ist es für eine Impfung zu spät. Dennoch sollte man rasch zum Arzt gehen. Denn in den ersten 48 Stunden nach Auftreten der Symptome kann man die Vermehrung der Viren noch mit antiviralen Medikamenten stoppen. In diesem Fall bessern sich die Beschwerden schnell und die Grippe verläuft insgesamt relativ milde. Kommt es bei einem Patienten zusätzlich zu einer bakteriellen Superinfektion, ist die Einnahme von Antibiotika angezeigt.
Bei einem unkomplizierten Krankheitsverlauf genügt die Linderung der Symptome mit entsprechenden Schmerz- und Fiebermitteln. Achtung: Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen nicht ohne ärztliche Absprache mit acetylsalicylhaltigen Medikamenten (Aspirin und andere ASS-haltige Schmerzmittel) behandelt werden. Grund: Diese Mittel erhöhen das Risiko eine seltene, lebensbedrohliche Erkrankung zu erleiden: das Reye-Syndrom.
Darüber hinaus kann man je nach Symptomatik zu Hustensäften oder Nasentropfen greifen. Ansonsten gilt: Halten Sie in der akuten Phase Bettruhe und sorgen Sie auch noch anschließend für Schonung. Außerdem sollten Sie während einer Grippe viel trinken. Denn der Flüssigkeitsverlust, der durch das Fieber entstanden ist, muss ausgeglichen werden.
Hinweis: Wenn Schmerzen beim Husten, heftige Ohren- oder Halsschmerzen, eitriger Auswurf, hohes Fieber oder Atembeschwerden auftreten, sollten sie Ihren Arzt schnellstmöglich erneut aufsuchen.
Alternative Heilmethoden
Um die Begleiterscheinungen der Grippe zu mildern, kann man zu folgenden Hausmitteln greifen: Inhalationen mit Kamille oder Kochsalzlösungen befreien die Atemwege. Heiße Getränke und Gurgeln sind eine Wohltat für den Hals.
Gegen Fieber helfen die klassischen Wadenwickel. Und so funktioniert's: Man nimmt zwei dicke Frottee-Handtücher und zwei dünnere Tücher. Die dünneren Tücher in kaltes Wasser eintauchen, auswringen und um die Wade eines jeden Beines wickeln. Dann mit den dicken Tüchern umwickeln. Rund 20 Minuten warten, bis sich die Wickel erwärmt haben, abnehmen - und beliebig oft wiederholen. Bei Kindern sollte bereits bei einer Temperatur von 38,5 Grad mit Wadenwickeln begonnen werden.
Wenn das Fieber über 40 Grad steigt, muss auf jeden Fall ein Arzt gerufen werden.
Vorbeugung
Die effektivste Prophylaxe ist: Nehmen Sie die jährliche Impfung gegen die aktuell kursierenden Viren wahr. Der beste Zeitpunkt dafür ist der frühe Herbst, da es zwei bis drei Wochen dauert, bis die Impfung wirksam wird. Zwar bietet die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz gegen die Erreger, aber der Verlauf der Krankheit wird sanfter.
Vor allem Risikopatienten wie ältere Menschen, chronisch Kranke und jeder, der viel mit anderen Menschen in Kontakt kommt, sollte sich diesen Schutz zulegen. Ausnahme: Wer eine Allergie gegen Hühnereiweiß hat oder unter einer akuten fieberhaften Erkrankung leidet, sollte sich nicht impfen lassen.
Ansonsten gilt: Halten Sie Abstand zu "Virenschleudern" und meiden Sie Menschenansammlungen. Fassen Sie im Büro oder in öffentlichen Gebäuden möglichst wenige Türklinken an. Die Viren können an solchen Stellen drei Stunden lang überleben. Waschen Sie sich in der kritischen Jahreszeit - von Dezember bis April - öfters am Tag die Hände. Und: Bringen Sie Ihr Immunsystem auf Vordermann - mit gesunder Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft, Sauna und Wechselduschen.
(CI) 13.02.2005

