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Krankheit

Schielen (Strabismus)

Über fünf Prozent aller Kinder schielen. Doch verniedlichen sollte man nicht einmal die leichte Form, den lustig aussehenden Silberblick. Denn Schielen ist immer mehr als ein Schönheitsfehler. Wenn die Augen nicht in dieselbe Richtung schauen, droht ein Teil des Sehvermögens dauerhaft zu verkümmern.

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Hintergrund: Beide Augen müssen dem Gehirn ein fast identisches Bild liefern. Nur so kann unsere Schaltzentrale daraus ein dreidimensionales Bild zusammensetzen. Ansonsten entstehen Doppelbilder - und diese irritieren das Sehzentrum. Folge: Das Gehirn konzentriert sich nur auf ein Auge und ignoriert das andere, was daraufhin unterentwickelt bleibt. Um das zu verhindern, muss eine frühzeitige Behandlung erfolgen. Neben dem kindlichen Schielen, kommen noch weitere Erscheinungsformen vor.

Symptome

Beim Schielen weicht ein Auge dauerhaft oder wiederkehrend von der Blickrichtung des anderen ab. Verschiedene Schielarten sind bekannt. In manchen Fällen schielt immer dasselbe Auge, in anderen Fällen schielen die Augen abwechselnd. Dabei kann das schielende Auge einwärts oder auswärts schielen, nach oben oder unten oder der Augapfel ist verdreht.

Die häufigste Form ist das kindliche Schielen, das so genannte Begleitschielen (Strabismus concomitans). Dieses Augenleiden ist angeboren oder tritt in den ersten 36 Lebensmonaten auf. Es ist meist dauerhaft, kann aber auch - nach Belastungen oder im Verlauf von Krankheiten. - nur zeitweise auftreten.

Die Ausprägung ist individuell verschieden. Die Palette reicht von deutlichem Schielen bis hin zu einem kaum sichtbaren Silberblick. Das Problem: Die ganz leichten Formen werden häufig übersehen, führen jedoch unbehandelt ebenfalls zu Folgeschäden. Eltern sollten daher auf folgende Warnsignale achten, die bei Augenfehlstellungen zusätzlich auftreten können:

  • häufig tränende Augen oder Lidrandentzündungen
  • schiefe Kopfhaltung
  • ungeschickte Bewegungen
  • Zusammenkneifen der Augen
  • Augenzittern
  • Konzentrationsstörungen

Bleibt eine Therapie aus, führt das Schielen immer zu einer irreparablen Schwachsichtigkeit des an sich gesunden Auges (Amblyopie) und zum Verlust des räumlichen Sehvermögens.

Neben dem Begleitschielen gibt es noch das so genannte Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus). Es ist nur selten angeboren und kommt im Kindesalter kaum vor. Diese Form tritt hauptsächlich bei Erwachsenen auf und wird meist plötzlich ausgelöst. Grund ist die Lähmung eines oder mehrerer Augenmuskeln. Es kommt zum Sehen von Doppelbildern, manchmal auch zu Schwindel und Übelkeit. Lähmungsschielen kann sich - je nach Ursache - von allein zurückbilden.

Darüber hinaus leidet über die Hälfte aller Menschen unter latentem Schielen (Heterophorie). Hierbei handelt es sich jedoch um ein Phänomen, das im Allgemeinen unproblematisch ist. Es macht sich nur bestimmten Situationen wie bei Müdigkeit, Stress oder nach Alkoholkonsum bemerkbar. Mögliche Begleiterscheinungen sind allerdings Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, schnelle Ermüdbarkeit.

Ursachen

Die Auslöser für das Begleitschielen sind zahlreich und teilweise nicht geklärt. Oft wird es durch eine starke Weitsichtigkeit oder einseitige Sehfehler verursacht. Da diese Form in manchen Familien gehäuft vorkommt, ist die Anlage vermutlich erblich. Das Lähmungsschielen hat andere Gründe wie: Gefäßerkrankungen, Multiple Sklerose, Tumore, aber auch Geburtsverletzungen.

Diagnose

Während der ersten sechs Lebensmonate ist es noch normal, wenn ein Baby ab und leicht schielt. Denn die Zusammenarbeit der Augen muss sich erst einspielen. Schielt es jedoch dauerhaft oder weiterhin, sollte man das Baby dem Augenarzt vorstellen. Da die leichten Schielformen leicht übersehen werden, ist es darüber hinaus ratsam, jedes Kind spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres zur Sicherheit vom Facharzt untersuchen zu lassen.

Wenn Vater oder Mutter geschielt haben, empfiehlt es sich, das Kind schon während der ersten sechs Lebensmonate durchchecken lassen. Um Begleitschielen festzustellen, kommen verschiedene Tests zum Einsatz.

Für die Diagnose "Lähmungsschielen" muss der Patient in verschiedene Richtungen schauen.

Behandlung

Die Schieltherapie kann die Entstehung von Sehschwächen fast immer verhindern. Allerdings sollte die Behandlung möglichst früh beginnen. Je später gehandelt wird, desto schwerer ist die zurückbleibende Sehbehinderung. Grund: Kinder lernen in den ersten Lebensjahren zu sehen. Mit Schuleintritt ist die körpereigene Sehschule dann mehr oder weniger abgeschlossen - und man kann nicht mehr viel ausrichten.

Neben der Korrektur von Sehschwächen per Brille gehört das abwechselnde Abdecken der Augen mit einem Klebepflaster zu den Therapiemaßnahmen. Damit soll vor allem das schwachsichtige Auge trainiert werden. Alternativ können Pupillen erweiternde Augentropfen oder Salben verabreicht werden, wodurch das scharfe Sehen eines Auges ebenfalls vermindert wird.

Ältere Kindern müssen eine spezielle Brille tragen. Bei jedem zweiten Patienten sind außerdem eine oder mehrere OPs erforderlich. Hierbei werden in Volksnarkose die äußeren Augenmuskeln korrigiert. Wichtig für den Behandlungserfolg: Die Eltern müssen darauf achten, dass die Behandlungsschritte genauestens befolgt werden. Generell muss man viel Geduld aufbringen, auch weil die Therapie jahrelang dauern kann.

Beim Lähmungsschielen steht die Suche nach der Ursache und die Behandlung der Grunderkrankung an erster Stelle. Um die Symptome zu lindern, wird in manchen Fällen ein Auge (oder ein Brillenglas) überklebt. Bei chronischem Verlauf kann eine Operation an der Augenmuskulatur helfen.

Alternative Heilmethoden

Ergänzend zur Schulmedizin kann die Akupunktur hilfreich sein.

Vorbeugung

Gegen die verschiedenen Formen des Schielens ist keine Vorbeugung bekannt.

( CI) 16.01.2006

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