Krankheiten
Allergien (allgemein, Typ I-IV)
Wodurch die neuen Zivilisationsleiden ausgelöst werden, ist nicht genau bekannt. Man weiß jedoch, was bei einer allergischen Reaktion im Körper passiert. Normalerweise bekämpft die körpereigene schädliche Eindringlinge. In diesem Fall richtet sie ihre Waffen gegen harmlose Dinge aus unserer natürlichen Umgebung, wie Pollen, Hausstaub oder Hühnereiweiß. Diese Stoffe werden Allergene genannt.
Das Problem: Hat das Immunsystem einmal einen Eindringling fälschlicherweise als "Feind" identifiziert, wird es diesen Fremdling bei jedem weiteren Kontakt erneut angreifen. Und nicht selten werden dann auch stärkere Geschütze aufgefahren. Als Komplikation können so genannte Kreuzallergien auftreten. Dann attackiert die körpereigene Schutzpolizei auch Stoffe, die dem Allergen lediglich ähneln. So entwickeln Menschen, die auf Birken empfindlich reagieren, häufig zudem eine Nussallergie.
Man vermutet, dass übertriebene Hygiene im Kindesalter das Entstehen von Heuschnupfen, Asthma & Co. fördert. Studien haben gezeigt, dass Stadtkinder viel häufiger unter Allergien leiden als ihre Altersgenossen auf dem Land. Das kindliche Immunsystem scheint Schmutz und gewisse Keime zu brauchen, um fit zu werden. Hinzu kommt eine erbliche Komponente. Kinder von betroffenen Eltern haben ein höheres Risiko, ebenfalls allergiekrank zu werden.
Allerdings ist Allergie nicht gleich Allergie. Es gibt die verschiedensten Formen, die durch unterschiedliche Allergene ausgelöst werden. Außerdem unterscheidet man in der Medizin vier Typen. Diese Einteilung richtet sich nach dem Reaktionsmechanismus.
Soforttyp-Allergie (Typ I)
Neun von zehn Betroffenen leiden unter der Soforttyp-Allergie. Bei dieser Form spielen die so genannten Immunoglobulin-E-Antikörper, kurz Ig-E genannt, eine Schlüsselrolle. Darunter versteht man Abwehrstoffe, die vom Körper gebildet werden und so genannte Histamine ausschütten. Dieser körpereigene Botenstoff löst dann die typischen Beschwerden wie Hautrötung, Juckreiz, Schnupfen, geschwollene Schleimhäute, Verengung der Atemwege, Ödembildung, Blutdruckabfall und Atemnot aus.
Kennzeichnend für Typ I ist, dass die Symptome sehr schnell auftreten - sofort oder innerhalb der ersten Stunde. Charakteristische Krankheitsbilder sind: Heuschnupfen, Asthma Bronchiale, Nesselsucht, Nahrungsmittelallergien und Bindehautentzündung. Auch der gefährlichste Allergiezustand, der Allergische Schock, gehört in diese Kategorie. Zu den auslösenden Substanzen zählen Pollen, bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungs- oder Arzneimitteln, Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengift und Schimmelpilze.
Zelltoxische Reaktion (Typ II)
Allergien vom Typ II sind sehr selten. Hierbei werden die eigenen Zellen geschädigt. Denn bei dieser Reaktion heften sich körperfremde Teilchen an die gesunden Körperzellen an. Im Verlauf werden auch Enzyme auf den Plan gerufen, die zudem das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft ziehen. Die Reaktion tritt einige Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen in Erscheinung. Sie kommt unter anderem als Abwehrreaktion gegen bestimmte Arzneien wie Schmerzmittel, Penicillin oder krampflösende Medikamente vor.
Immunkomplex-Reaktion (Typ III)
Diese ebenfalls seltene Reaktion tritt Stunden oder sogar Tage nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Hier verbinden sich die Antikörpertypen mit den Allergenen. Dadurch entstehen größere Strukturen, die normalerweise von den Abwehrzellen aufgelöst werden. Manchmal bleiben aber einige dieser Zusammenballungen übrig. Diese lagern sich daraufhin in Organen oder Gelenken ab, wodurch die allergische Entzündungsreaktion hervorgerufen wird. Zu den Auslöser gehören ebenfalls Medikamente, aber auch Heu.
Spättyp-Allergie (Typ IV)
Die Spättyp-Allergie ist recht häufig und wird auch Kontaktallergie genannt. Bei diesem Typ setzen nicht Immunoglobulin-Antikörper die Reaktion in Gang, sondern spezielle weiße Blutkörperchen, die so genannten T-Zellen der Immunabwehr. Zu den typischen Auslösern gehören Metalle und Chemikalien wie Putzmittel, Chlorwasser, Latex, Inhaltsstoffe von Salben, Konservierungs- und Farbmittel, Duftstoffe, aber auch die Sonne. Betroffen ist meist die Haut. Charakteristische Anzeichen sind lokale Rötungen bis hin zu nässenden Ausschlägen, die meist nach zwei Tagen auftreten. Auch die Abstoßung fremder Organe nach einer Transplantation gehört zu Typ IV.
Allergien lassen sich im Allgemeinen durch Diagnoseverfahren wie Hauttests und Blutuntersuchungen feststellen. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist die Vermeidung der auslösenden Substanz. Darüber hinaus gibt es Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison, welche die Symptome unterdrücken.
Die einzige Behandlungschance, mit der man eine Allergie unter Umständen heilen kann, ist die Hyposensibilisierung. Hierbei wird der Körper des Patienten gezielt mit dem Allergen konfrontiert. Zweck: Der Organismus soll sich an die Substanz gewöhnen. Außerdem gibt es - je nach Allergieform - bestimmte Hilfsmittel, um den Kontakt mit Allergenen einzuschränken, wie Spezialbettwäsche bei Hausstauballergie oder Pollenfilter fürs Auto bei Heuschnupfen.
(CI) 13.02.2005



