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Die lebensverlängernde Wirkung des (Heil-) Fastens
So alt wie die Menschheit, so alt ist auch der Wunsch, das Leben zu verlängern. Man weiß durch archäologische Funde, dass nicht nur z. B. die alten Ägypter, sondern auch die Ureinwohner Südamerikas sowie andere Völker sich mit Gedanken eines langen Lebens befassten, wenn auch oft mit dem Hintergrund eines Lebens ohne die leibliche Hülle.
Was ist denn nun daran - Lebensverlängerung durch Fasten (oder Heilfasten) oder auch durch kalorienreduzierte Ernährung?
Fakt ist, dass kalorienärmere Ernährung zu einer Verlangsamung von Zellalterungsprozessen führt. Die bisherigen Labor-Untersuchungen an Ratten, Mäusen und Hefezellen ergaben, dass der Co-Faktor eines Enzyms sowie ein Gen bei geringerer Ernährung dafür verantwortlich zu sein scheinen, dass das Programm für das Altern hinausgeschoben wird, wie es durch wissenschaftliche Arbeiten von Leonardo Guarente (MIT-Institute) und seinem Team in einer neueren Ausgabe von "Science" berichtet wird. Bei dem in Rede stehenden Gen handelt es sich um das Gen mit der Bezeichnung SIR2 (für "Silent Information Regulator"), das bei einer geringeren Kalorienaufnahme ein bestimmtes Protein vermehrt (SIR2p) freisetzt, durch das das "Ausschalten" von Gensequenzen bewirkt wird, die die Zell-Alterung befördern, das zugleich aber auch Bedeutung für die Reparatur von Genen hat. Insgesamt kennt man auf diesem Gen vier Orte (Regulatoren der "stummen Information"), die als "Silencer" wirken, also die Expression von bestimmten, die Zell-Alterung beschleunigenden Gensequenzen unterdrücken. Zumindest bei Hefezellen in Retortenversuchen scheint es so zu sein, dass diese 30-40% länger lebten, wenn sie nur ein viertel der normalerweise von ihnen aufgenommenen Glukose erhielten.
Langer Rede kurzer Sinn: Man muss nur ein wenig gezielt den Metabolismus der Zelle beeinflussen, um längeres Leben zu bewirken. - oder: weniger Zucker, und man lebt länger!
Ein weiteres Molekül, das NAD (Nicotin Adenin Dinucleotid) steht bei verminderter Glukosezufuhr vermehrt zur Oxidierung energiereicher Elektronen (Stichworte "Sauerstoffradikale" und "Antioxidantien") dem vorher erwähnten, das Leben verlängernden Protein (SIR2p), zur Verfügung, das erst dann die Expression von Genen unterdrücken und damit das Leben verlängern kann. Solange also fortlaufend (durch Fehlernährung) ein Glukosestrom in die Zelle eindringt, altert diese auch, weil für dieses SIR2p dann keine oder zu wenige, die Oxidierung verhindernde NAD-Moleküle, zur Verfügung stehen.
Durch die Inaktivierung von bestimmten (das Leben verkürzenden) genetischen Sequenzen scheint dieses lebensverlängernde Gen SIR2 beispielsweise einen Vorgang aufzuhalten, der normalerweise bei älteren Zellen auftritt. Bei diesen älteren Zellen werden manchmal auch Gene aktiviert, die stumm bleiben sollten, deren Bildung jedoch zu Problemen führt, die durch Anhäufung dieser Gene in den Zellen zum nicht erwünschten (Zell-)Tod führen können.
Das SIR2-Gen scheint durch gute und enge Verpackung der den Zelltod herbeiführenden Gene eine Interaktion dieser mit der Umgebung zu verhindern.
Guarente vermutet, dass für das Altern nicht nur eines, sondern mehrere Gene verantwortlich sein können. Dennoch folgert er, dass es trotzdem diesen einen Mechanismus zur Verhinderung des Alterns gibt, auch deswegen, weil er durchaus evolutionär sinnvoll zu sein scheint: Es ist die beste Strategie für einen Organismus, bei Nahrungsknappheit die Reproduktion hinauszuschieben und zu warten, bis sich die Lebensumstände wieder verbessert haben. Denn wenn Organismen bei Nahrungsverknappung mit einem Gen wie SIR2 das Altern hinausschieben können, könnten diese Organismen durch die natürliche Selektion bevorzugt werden.
Sollte man dereinst ein Medikament herstellen können, das dieselbe Wirkung auf SIR2 und NAD hat wie eine permanent kalorienreduzierte Lebensweise, dann ist es vorstellbar, dass man damit eine gute Gesundheit und vielleicht auch ein längeres Leben bewirken kann (so dem Sinn nach Guarente), weiter unten nehme ich Stellung zu diesem Gedanken.
Was hat das nun mit dem Fasten zu tun?
Es gibt ein chinesisches Sprichwort: "Wer weniger isst, lebt länger" - wie wahr!
Abgesehen von Glücksgefühlen, die ein korrekt angeleitetes und überwachtes Heilfasten erzeugen können, können nachgewiesenermaßen schon kurze "Hungerkuren" (dieses Wort ist sehr unglücklich, es handelt sich bei dem Heilfasten um eine ärztlich überwachte und kontrollierte Maßnahme) den Alterungsprozess verlangsamen. Diese Aussage wird demonstriert am Beispiel einer wissenschaftlichen Studie: am fittesten waren Nager, die auf Dauerdiät gesetzt wurden. So konnten Ratten und Mäuse ihre Lebenszeit um bis zu 40% verlängern, wenn man sie auf eine Diät setzte, die bis zu 70% weniger Kalorien als üblich enthielt, allerdings musste diese Ernährung alle notwendigen Nährstoffe und Vitamine enthalten.
Am National Institute of Aging in USA läuft seit 1987 eine Studie an Rhesusaffen mit kalorienreduzierter Diät - da jedoch diese Affenart normalerweise 25 Jahre alt wird, kann man noch keine signifikante Auswirkung auf die Lebenserwartung feststellen, auffallenderweise kam es bislang in der Untersuchungsgruppe zu weniger Sterbefällen als in der normal fressenden Vergleichsgruppe.
In einer der neueren Ausgaben der "Proceedings of the National Academy of Sciences" publizierte ein Team um Stephen Spindler von der University of California in Riverside Untersuchungsergebnisse, die belegen, dass bei auf eine kalorienarme Diät gesetzten Mäusen Veränderungen, die einen Alterungsprozess auslösten, rückgängig gemacht wurden. Außerdem sandten die wieder "aufgefrischten" Gene wichtige Signale an weitere Stellen im Erbgut, die nicht direkt für das Altern verantwortlich sind. Nun kommt ein interessanter Punkt: Die kalifornischen Wissenschafter fanden heraus, dass die Kurzdiäten sich nicht so ganz positiv auf die Alterungsgene auswirkten wie eine langfristig reduzierte Kalorienzufuhr, denn Mäuse auf Dauerdiät überlebten ihre Artgenossen, die nur für kurze Zeit auf üppige Mahlzeiten verzichten mussten.
Sie kennen bestimmt das berühmte Experiment in der "Biosphere 2": Diese ist eine Minikopie der Erde, und wurde ursprünglich als Simulation für das Überleben in einer künftigen Marskolonie benötigt. Im September 1991 ließen sich 4 Frauen und 4 Männer für 2 Jahre in dieser künstlichen Welt einsperren. Unter ihnen war auch der damals 67 jährige angesehene Altersforscher Roy Walford. Die Bewohner der "Biosphere 2" mussten ihre Nahrung selber anpflanzen, ernten und zubereiten. In dieser künstlichen Welt stellte sich bald heraus, dass die Bewohner nicht genügend Essen für alle 8 Versuchspersonen produzieren konnten. So aß jeder der Forscher nur 1800 Kalorien pro Tag, und das ist nur halb soviel wie der durchschnittliche US-Amerikaner täglich zu sich nimmt.
Als die Forscher nach 2 Jahren die "Biosphere 2" verließen, waren zwar alle Versuchspersonen abgemagert, aber sehr gesund. Die Blutfett- und Blutdruckwerte waren stark gefallen, die Blutzuckerwerte um 30% gesunken.
Roy Walford hält immer noch die kalorienarme Diät ein, und wurde somit zu einer Art von Versuchskaninchen - d. h., er wird von Wissenschaftern weiter beobachtet und untersucht.
Bis jetzt hat man folgende Fakten für die lebensverlängernde und gesundheitsfördernde Wirkung der Kalorienverknappung ausfindig gemacht, ich bringe es hier noch einmal in allgemeinverständlichen Worten:
- weniger Zellschäden durch aggressive Sauerstoffradikale
- die Reparaturkapazität des Erbgutes wird erhöht
- das Abwehrsystem wird länger geschützt
- der Blutzuckerspiegel wird gesenkt
- die Blutfette werden nachhaltig gesenkt
- der Blutdruck wird normalisiert
Wie schaut das Geheimrezept des langen Lebens nun aus?
Es handelt sich um eine
- ausgewogene, nährstoffreiche, fettarme Vollwertkost, mit viel
- Gemüse,
- Obst,
- ein wenig Fisch und
- (sehr) wenig Fleisch (gemessen an dem so genannten Normalverhalten), hinzu kommt
- regelmäßige körperliche Aktivität, verbunden mit
- geistigen Anforderungen,
- Annahme von Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt.
Interessant: Würde man die Forschungsergebnisse an Nagern auf den Menschen übertragen, käme man rein rechnerisch auf ein menschliches Lebensalter von bis zu 165 Jahren - für unser derzeitiges Sozialsystem sicherlich schlecht verkraftbar.
Verlockend: Ein 100jähriger würde dann so aussehen wie ein 50- oder 60jähriger.
Die Forscher sind nicht so kühn, basierend auf den Forschungsergebnissen nun der gesamten Menschheit zu empfehlen, auf diese Diät zu gehen.
Leider aber ist das Ziel der beteiligten Forscher, die auf natürliche Weise zustande kommenden positiven Effekte des Fastens mittels Medikamenten nachzuahmen. Es kommt noch viel schlimmer: Ziel der Forschungen ist, langfristig gesehen, eine Pille zu entwickeln, die dem Körper einen Fastenzustand vorgaukelt. Dieses Bestreben ist eine Katastrophe, und es macht mich sehr traurig, dass die Natur nun auch hier wie sooft an anderen Stellen in der heutigen Zeit wiederum durch Chemie ersetzt wird! Wo bleibt das so genannte "Self-Empowerment" des Einzelnen, das gerade durch ein fachgerecht durchgeführtes Fasten oder Heilfasten initiiert wird? Ausschlaggebend für die auftraggebende Industrie ist wohl, dass sich mit Verzicht (auch wenn er dem jeweiligen Menschen gar nicht weh tut, und man eigentlich auch wenig vermisst) keine Umsatzsteigerungen machen lassen.
Es gibt US-Berichte (die Quelle hierzu kann ich leider nicht mehr lokalisieren) aus den 60er Jahren, die das Faktum der Lebensverlängerung durch kalorienärmere Ernährung belegen: Menschen, die in an Kalorien knappen Zeitaltern lebten, hatten signifikant weniger Altersgebrechen, auch weniger Diabetes, oder anders ausgedrückt: Zeiten der Rezession (Wirtschaftskrisen, Kriegsszenarien) waren zumindest in Bezug auf die Gesundheit der Bevölkerung positiv. Mit dem Wohlstand aber kamen regelmäßig vermehrt Krankheiten, auch Altersgebrechen, wobei der frühe Tod als Wohlstands- und Überernährungsfolge im wesentlichen nur durch die Erfolge der modernen Hochleistungsmedizin (Notfallmedizin / Intensivstation / Operationstechniken etc.) verhindert wird, und so mitnichten die Tatsache der negativen Folgen einer wohlstandsbedingten Überernährung widerlegen.
Nun wollen Wissenschafter ihre neuen Erkenntnisse auch beim Menschen überprüfen, denn das Erbgut von Mensch und Maus gleicht sich zu 90%.
Daraus könnte man folgern, dass Senioren in Zukunft mit gelegentlich durchgeführten kalorienarmen Diäten (die aber zwingend alle notwendigen Nährstoffe, Vitamine etc. enthalten müssen), altersbedingten Krankheiten und Krebserkrankungen vorbeugen können. Wissenschafter geben allerdings zu bedenken, dass der altersverlangsamende Effekt der Diätmaßnahmen umso höher sei, je früher man damit beginne. Spiegel "Online": Das wäre dann "Sogar das genaue Gegenteil von Rauchen"!
Lassen Sie mich zum Schluss kommen: "Active Aging" bedeutet, nicht nur an die Kalorienaufnahme zu denken, sondern auch regelmäßiges Heilfasten einzuplanen, um sich letztlich mehr Lebensqualität zu gönnen!
(CI) 05.09.2005

