Schwangerschaft & Kind
Das Babytragetuch - nur eine Modeerscheinung?
Hautnah geborgen
Friedlich schlummernd kuschelt sich der kleine Moritz in die sanfte Biegung des bunten Stoffes. Er fühlt sich geborgen so nah bei seiner Mutter. Spürt ihre Wärme, hört ihren Herzschlag, kann sie riechen und ihr in die Augen schauen. Und seine Mutter? Sie ist ganz nah bei ihrem Kind, hat beide Hände frei, kann sich - zum Beispiel beim Einkaufen - frei bewegen und ihr Baby sogar unbemerkt stillen. Moritz' Mama baut auf eine alte Tradition. Denn die Afrikaner, die Inder, die Tibeter und die Japaner wissen seit Jahrhunderten: Kinder haben ein Urbedürfnis nach Nähe.
Entschärfte Kritik
Nicht alle sind vom Tragetuch begeistert. Einige befürchteten Haltungsschäden und haben Angst, dass die Babys so eng an die Mutter gepresst, zu wenig Luft bekommen. Beides ist nicht wahr - vorrausgesetzt Mutter oder Vater beherzigen einige Dinge: Das Baby muss nicht gerade auf dem Rücken liegen, sondern ist von Natur aus bestens auf das Tragen am Körper vorbereitet.
Das Anhocken der Beine ist ein Reflex, der dem jungen Erdenbürger das sichere Sitzen auf der Hüfte ermöglicht. Allerdings will das korrekte Binden gelernt sein. Wichtig ist, dass das Kind in die Hockstellung gehen kann, wobei die Beine in den Hüftgelenken leicht abgespreizt werden. Auch der Oberkörper muss gestützt werden, damit das Baby nicht in sich zusammensacken kann. Ideal ist es, wenn das Baby seitlich auf der Hüfte platziert wird. Richtig angewendet, können so sogar Fehlstehlungen der Hüfte korrigiert werden.
Vertrauter Schaukelstuhl
Das Kind wird durch das Schaukeln der mütterlichen Bewegungen beruhigt. Lassen es so besser schlafen - trotz der vielen Geräusche um sich herum. Denn auch im Bauch konnte es miterlebten, wie sich seine Mutter hinunter beugte, langsam spazieren ging oder tanzte. Und was den Lärmpegel betrifft, so ging es knapp unter dem Herzen der Mutter auch nicht gerade leise zu. Deshalb kann ein einsames Kinderbett in absoluter Stille das Baby sogar verängstigen.
Luftiges Plätzchen
Für die Luftzufuhr ist auch gesorgt. Eine Studie der Universität Köln belegt, dass Säuglinge, die in Tragetüchern transportiert werden, nicht unter Sauerstoffmangel leiden. Während des Tragens sinkt die Sauerstoffsättigung des Blutes lediglich im Mittel um ein Prozent. Dieser Abfall ist bei Kindern, deren Gesundheitszustand normal ist, nicht bedenklich.
Gut zu wissen
Achten Sie auf schadstoffarme Öko-Farben sowie auf pflegeleichtes Material. Das Tuch sollte vor dem ersten Benutzen gewaschen werden, da viele Kinder daran lutschen. Die Länge des Stoffes richtet sich nach Ihrer Größe und den Tragevarianten, für die Sie sich entscheiden. Je länger das Tuch ist, desto mehr Trageweisen können ausprobiert werden. Sind die Enden zu lang, wickelt man sie sich einfach um den Bauch. Fransen sehen zwar schön aus, sind aber meist unpraktisch. Wird das Kind fürs Tuch zu schwer, dann können die oft schweren und robusten Stoffe als Schaukel oder Hängematte verwendet werden und die Motorik des Nachwuchses fördern.
(CI) 13.02.2005

