Schwangerschaft & Kind
"Frühchen" belasten Beziehung
Die Unsicherheit ist groß
"Ich war doch völlig unvorbereitet, was sollte ich jetzt schon mit dem Kind", so eine Mutter. Für die meisten Eltern ist eine Frühgeburt ein Schock. Und die Ängste, die sich in dieser Situation vor den besorgten Eltern auftürmen, sind riesengroß. "Wird mein Baby überleben?" Diese bange Frage steht im Vordergrund. "Am Telefon traute ich mich gar nicht zu fragen, ob mein Kind lebt. Ich war davon überzeugt, dass es gestorben ist", erzählt eine Betroffene.
Neben der Todesangst ist da auch die Angst vor Behinderung und bleibenden Schäden. Zu viele Gefühle stürzen jetzt auf die Eltern ein. Die Trauer um das erträumte gesunde Baby, der Abschied vom Bild der perfekten Mutter, die Verunsicherung durch die Trennung vom Kind. Hilflosigkeit, Ohnmacht und Schuldgefühle statt grenzenlosem Elternglück.
Trennungsschmerz
Obwohl Väter und Mütter ähnliche Ängste haben, erleben die Mütter diese Ängste intensiver und bedrohlicher. Während Männer größtenteils verunsichert, mitunter sogar glücklich nach der Geburt sind, stürzen viele Mütter in ein Stimmungstief. Da Frühgeburten meist als Kaiserschnitt unter Narkose vollzogen werden, sind die Mütter anschließend oft in schlechter körperlicher Verfassung. Im Gegensatz zum Vater, können sie ihr Kind nicht sofort nach der Geburt sehen und leiden unter Trennungsschmerz.
Bewältigungsstrategien
Beide Elternteile wenden in den ersten Wochen nach der Frühgeburt unterschiedliche Bewältigungsstrategien an: Während die Mutter Zuwendung sucht, gibt sich der Vater zupackend und aktiv. Väter gehen die Situation problemanalytisch und optimistisch an.
Die Mütter hingegen geben sich ihrem Schicksal hin und warten die Situation passiv ab. Dr. Thorsten Löhr von der Kölner Universitätsklinik beobachtete bei den Müttern Eigenschaften wie Selbstbeschuldigung und Kompetenzängste, die jedoch mit der Zeit nachlassen. Im Abstand von einigen Wochen ändern Mütter ihr Verhalten. Sie grübeln weniger und versuchen, so wie ihr Partner, die Probleme analytisch anzugehen.
Hilfe für die Eltern
Da die Zeit nach der Geburt einen großen Einfluss auf die psychosoziale Entwicklung von Neugeborenen habe, sollte den Eltern in dieser schwierigen Phase geholfen werden, fordert Dr. Löhrs. Denn partnerschaftliche Probleme, elterliche Depressionen oder Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung können die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen. Das kann zu späteren Entwicklungsdefiziten wie Sprachverzögerungen, Schulproblemen oder Konzentrationsschwierigkeiten führen.
(CI) 13.02.2005

