Wellness
Willkommen in der Stille
Der erste Schritt ist: Suchen Sie sich einen ruhigen Platz in Ihrer Wohnung aus, an dem Sie sich besonders wohl fühlen. Breiten Sie eine Decke aus, setzen Sie sich darauf - und zwar in bequemer Kleidung. Wer gelenkig ist, wählt den Lotussitz. In diesem Fall werden beide Füße auf den jeweils gegenüberliegenden Oberschenkel gelegt. Auch ein halber Lotussitz ist möglich. Hier platziert man nur einen Fuß auf dem anderen Bein. Wem das immer noch zu anstrengend ist, verweilt im Schneidersitz. Ist das direkte Sitzen auf dem Boden zu unbequem, kann man auch ein Kissen zur Hilfe nehmen.
Richten Sie Ihre Wirbelsäule möglicht gerade auf und ziehen Sie die Bauchdecke leicht ein. Die Hände legen Sie auf die Knie, mit den Handflächen nach oben. Zeigefinger und Daumen werden jeweils zu einem Kreis geschlossen. Alternative: Man kann die Hände auch ineinander vor dem Bauch legen, wobei beide Handflächen ebenfalls nach oben zeigen. Nun das Kinn etwas zur Brust neigen, Mund leicht öffnen und Kiefer entspannen. Die Zunge wird hinter den Frontzähnen geparkt. Die Augenlider sind fast geschlossen. Der Blick konzentriert sich auf einen Punkt auf dem Boden, als Blickfang kann auch eine Blume oder eine Schale mit Wasser dienen.
So und jetzt geht es los. Sie sollen nun an nichts denken - und das ist das Allerschwierigste. Zum Glück gibt es einige Techniken, die Ihnen dabei helfen. Am einfachsten ist es, sich auf den eigenen Atemrhythmus zu konzentrieren. Denken Sie bei jedem Einatmen das Wort "ein" und bei jedem Ausatmen "aus". Sie können sich aber auch ein anderes Wort aussuchen, das Sie sehr schön finden, wie Liebe. In diesem Fall sprechen Sie beim Einatmen innerlich die Silbe "Lie" aus und beim Ausatmen "be". Fürs Atmen gilt generell: Holen Sie durch die Nase Luft und atmen Sie durch den Mund aus. Achten Sie darauf, dass sich dabei vor allem die Bauchdecke bewegt und nicht der Brustkorb.
Sehr entspannend sind außerdem Fantasiereisen. Lassen Sie das Bild Ihrer Lieblingslandschaft vor Ihren inneren Augen entstehen. Das kann ein wogendes Kornfeld sein, das blaue Meer oder eine Waldlichtung im Sonnenschein. Die Meditation sollte zehn bis 30 Minuten dauern. Am besten ist es, sie jeweils zum selben Zeitpunkt durchzuführen. Wichtig ist, dass man eine Tageszeit wählt an der man nicht gestört wird. Gegebenenfalls sollten Telefon und Klingel abgestellt werden.
Es lohnt sich: Wer die Oase der Stille öfters betritt, wird auf Dauer gelassener und kann auch mit Stress viel besser umgehen. Darüber hinaus wirkt Meditieren nicht nur positiv auf die Psyche, sondern auch auf den Körper. Das Immunsystem wird positiv beeinflusst, der Pulsschlag senkt sich und das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sinkt. Auch Kopfschmerzen sowie Schlafstörungen lassen sich durch die fernöstliche Entspannungsmethode lindern.
Und wenn es nicht gleich bei den ersten Versuchen klappt, bewahren Sie Geduld. Denn die hohe Schule des Nichtstuns ist gar nicht so einfach zu lernen. Wer die Kunst der Versenkung beherrschen will, muss, wie bei allen anderen Disziplinen auch, viel üben. Wenn Gedanken aufkommen - und das passiert unweigerlich- halten Sie diese nicht fest, sondern lassen Sie sie ziehen. Und vor allem: Ärgern Sie sich nicht, wenn sich das Gedankenkarussell partout nicht abstellen lassen will. Das passiert auch erfahrenen Zen-Meistern immer mal wieder - allerdings immer seltener.
Extra-Tipp: Für Anfänger können Meditationskurse oder Anleitungen auf CDs ein guter Einstieg sein.
(CI) 08.02.2006

