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Akupunktur - Heilung Stich um Stich

"Bestechende" Erfolge feiert die Akupunktur bereits seit über 3000 Jahren. Bei uns wurde diese alternative Heilform aber erst in den letzten Jahren populär, besonders bei der Behandlung von chronischen Schmerzen. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr als 20 000 Ärzte, die ihre Patienten mit "heilenden Nadeln" behandeln. Die Akupunktur kommt aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Den Leitlinien der TCM entsprechend, steht auch bei der Akupunktur der Mensch und nicht seine Krankheit im Mittelpunkt. Körper und Seele bilden eine untrennbare Einheit, die auch ganzheitlich behandelt werden muss.

Stichhaltige Wirkung

Aus traditioneller Sicht müssen die gegensätzlichen Energien von Yin (das Beschattete, Dunkle) und Yang (das Besonnte, Helle) harmonisch vereint sein. Krankheiten entstehen, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. Mit Hilfe von Akupunkturnadeln kann die Balance wieder hergestellt werden. Sie stimulieren bestimmte Punkte (Tsubos) auf den Energiebahnen (Meridiane) und heben so störende Blockaden auf. Die Lebensenergie (das Qi) kann wieder ungehindert fließen. Die Meridiane mit ihren zahlreichen Energiepunkten verlaufen über den gesamten Körper. Abhängig von der Erkrankung werden ganz bestimmte Akupunkturpunkte stimuliert.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Wirkungsweise der Akupunktur noch nicht entschlüsselt. Man geht aber davon aus, dass hier mehrere Wirkungsweisen ineinander greifen: Die Nadeln beeinflussen Nervenzellen, die unsere Schmerzempfindlichkeit regulieren. Außerdem sollen bei der Reizung der Akupunkturpunkte körpereigene Botenstoffe (z. B. Endorphine) freigesetzt werden, die schmerzlindernd und euphorisierend wirken.

Einsatzmöglichkeiten

Wie viele andere alternative Heilmethoden hat auch die Akupunktur so gut wie keine Nebenwirkungen. Selten kommt es zu kleineren Blutergüssen an den Einstichstellen. Eventuell kann eine so genannte Erstverschlimmerung eintreten, die relativ schnell wieder abklingt. Diese Reaktion ist unbedenklich und wird als Hinweis gewertet, dass die Therapie anschlägt. Der Erfolg einer Behandlung ist immer abhängig von der Qualifikation des Akupunkteurs, das gilt für Ärzte und Heilpraktiker gleichermaßen.

Akupunktur wirkt nicht nur schmerzlindernd. Sie kann auch die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren, muskelentspannend wirken und das Wohlbefinden stärken. Ferner kann diese Heilform zur Suchtbehandlung (z. B. Nikotin, Essstörungen) eingesetzt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste mit Krankheiten und Beschwerden herausgegeben, die für eine Akupunkturbehandlung geeignet sind. Darunter befinden sich unter anderem Erkrankungen des Rückens, der Gelenke, des Verdauungstraktes oder der Atemorgane. Therapiert werden können auch verschiedene Allergien, neurologische Erkrankungen (z. B. Migräne, Hexenschuss, Kopfschmerzen) und Hautkrankheiten (z. B. Herpes, Ekzeme).

Besonders erfolgreich und häufig werden unter anderem folgende Erkrankungen behandelt:

  • Kopfschmerzen und Migräne: Die Akupunktur ist hier besonders effektiv. Eine kürzlich in dem Fachmagazin "British Medical Journal" veröffentlichte Studie untermauert den Erfolg: Bei 34% der 401 Teilnehmer stellten die englischen Wissenschaftler eine Linderung der Schmerzen fest. Die Schwere der Migräneanfälle nahm innerhalb eines Jahres ab. Bei Teilnehmern, die im gleichen Zeitraum mit Medikamenten behandelt wurden, waren es nur 16%.
    Laut traditioneller chinesischer Medizin (TCM) liegt bei vielen Betroffenen mit chronischen Kopfschmerzen eine Energiestörung der Leber, Gallenblase oder Nieren vor. Die Akupunkturnadeln werden an den entsprechenden Meridianen angesetzt und sorgen so für eine Schmerz- und Attackenreduzierung.
  • Allergien: Bei vielen allergischen Erkrankungen, wie z. B. dem Heuschnupfen, kommt es nach einer Akupunkturbehandlung zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Gemäß den Vorstellungen der TMC liegt hier eine Energiestörung in den Atmungsorganen vor. Bei begleitendem Asthma kann auch der Dickdarm-Meridian betroffen sein. Mit Hilfe der Nadeln sollte der Energiefluss geregelt und die geschwächten Organe wieder gestärkt werden.
  • Gelenkrheuma: Bei Patienten, die unter Rheuma leiden, ist laut TCM der Energie- und der Blutfluss gestört. Die Akupunktur soll die Lebensenergie stärken. Dadurch sollen die Schmerzen gelindert und die mit dem Rheuma einhergehenden Entzündungen abgeschwächt werden. Weiteres Ziel der Behandlung ist eine verbesserte Beweglichkeit der Gelenke.
  • Rückenschmerzen: Hier werden Akupunkturpunkte stimuliert, die auf den Harnblasen-, Gallen- oder Nierenmeridianen liegen. Bei chronischen Rückenschmerzen müssen mehrere Sitzungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Bei akuten Beschwerden, z. B. einem Hexenschuss, zeigen die Nadeln häufig eine schnell eintretende Wirkung.
  • Menstruationsbeschwerden (Regelschmerzen): Laut einer Studie der gesetzlichen Krankenkassen zeigte die Akupunktur hier bei 85% der Patientinnen eine Schmerzlinderung. Hierbei werden Energiepunkte auf den Leber- und Nierenmeridianen stimuliert.
  • Psychische Erkrankungen: Akupunktur wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch stabilisierend. Sie steigert Wohlbefinden und Antriebskraft, sorgt für innere Ruhe und Gelassenheit. Daher eignet sich diese Heilkunst besonders für die Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen, Abhängigkeiten (Nikotin, Esssucht etc.), Ängsten, Schlafproblemen, Stress und nervösen Störungen (z. B. Reizmagen).

Spürbare Besserung

Akupunktur kann keine Wunder vollbringen, aber häufig stellen sich die ersten Erfolge bereits nach wenigen Sitzungen ein. Das ist natürlich immer anhängig von Art und Schwere der Erkrankung. "Nach der dritten Behandlung merkt der Patient, dass es bergauf geht. Wir haben Patienten, z. B. mit Trigeminus Neuralgien, die gleich beim ersten Mal eine Besserung fühlen. Uns kommt es darauf an, Energien auszugleichen. Man fühlt sich bereits häufig nach ein bis zwei Sitzungen ausgeglichener, wohler und die Schmerzen bauen sich ab", beschreibt Norbert Zimmermann, Heilpraktiker und Akupunkteur seine Praxiserfolge.

Punktgenaue Behandlung - nicht nur mit Nadeln

Bei der Akupunktur wird die Hautoberfläche mit feinen Nadeln durchstochen. Die Nadeln sind normalerweise zwischen 1,5 cm und 7 cm lang, in manchen Fällen auch länger. Akupunkturnadeln sind vorwiegend aus Edelstahl. Nadeln aus Gold oder Silber werden nur selten eingesetzt, z. B. bei der Ohrakupunktur.
Abhängig von den Reizpunkten unterscheidet man Körper-, Ohr- und Schädelakupunktur. Die einzelnen Akupunkturformen können auch untereinander kombiniert werden. Bei der Stimulation der Energiepunkte können aber nicht nur Nadeln verwendet werden: Softlaser-Strahlen erwärmen die Haut punktuell und reizen so die entsprechenden Energiebereiche. Ebenfalls mit Wärme arbeitet die so genannte Moxibustion. Der Therapeut brennt dabei Moxawolle (getrocknetes Beifußkraut) auf den Akupunkturpunkten ab. Die Moxibustion hinterlässt keine Brandwunden. Sie ist schmerzfrei und wird von den meisten Patienten als angenehm und entspannend empfunden. Werden die Energiepunkte durch Druck stimuliert, spricht man von Akupressur. Die schmerzlose Druckmassage hat den Vorteil, dass Patienten sie unter Anleitung auch selbst durchführen können.

Akupunktur - Hokuspokus oder Heilkunst?

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die die Wirksamkeit von Akupunktur bestätigen. Zurzeit tritt gerade die weltweit größte Akupunkturstudie in die Endphase. Die Studie gerac (german acupuncture trials) läuft seit 2001 und wird auch von einigen gesetzlichen Krankenkassen unterstützt. Innerhalb der nächsten Monate sollen endgültige Daten vorliegen. Doch schon die Zwischenergebnisse sind beeindruckend: Bei fast 89,8% der etwa 40 000 teilnehmenden Patienten ist eine Linderung der Beschwerden zu erkennen.
Häufiger Kritikpunkt bei Akupunkturstudien ist die Objektivität. Da die Teilnehmer den Stich einer Nadel spüren, ist eine blinde Durchführung oder eine mit Placeboeffekt kaum möglich. Wissenschaftler der Universität Heidelberg haben hier eine Lösung gefunden: Sie entwickelten für ihre Studie eine "Pseudo-Akupunkturnadel". Ähnlich einem Theaterdolch verschwindet der Schaft bei Druck. Die Teilnehmer spürten zwar einen Pieks, konnten aber nicht unterscheiden, ob die Nadel wirklich zustach oder nicht. Laut Studie zeigte sich auch hier bei der Mehrheit der Patienten eine Verbesserung der Beschwerden.

Wer zahlt die heilenden Piekser?

Die bestechenden Erfolge der Akupunktur machen sich bezahlt. Wortwörtlich. In einem Modellprojekt haben sich einige gesetzliche Krankenkassen zusammengeschlossen. Sie übernehmen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung ganz oder teilweise. Die Großzügigkeit ist allerdings an Bedingungen geknüpft: In der Regel wird nur die Behandlung von chronischen Schmerzen (Kopf, Gelenke, Lendenwirbel) erstattet. Außerdem muss die Therapie bei einem Vertragsarzt durchgeführt werden. Patienten sollten sich vor einer Akupunktur-Behandlung informieren, ob und wie weit die eigene Kasse die Kosten trägt und an welchen Arzt sie sich wenden müssen. Behandlungen bei einem Heilpraktiker werden in der Regel nicht erstattet. Die privaten Kassen übernehmen Schmerzbehandlungen meist komplett. Bei anderen Erkrankungen müssen die Bedingungen "ausgehandelt" werden. Die Kosten für eine Akupunktursitzung liegen zwischen ca. 40 und 100 Euro und sind unter anderem abhängig von der Sitzungsdauer.

(CI) 13.02.2005

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